Wie funktioniert Wiedergeburt?

Buddhisten kennen weder eine Seele, noch einen Gott. Der Dalai Lama beliebt daher gerne zu scherzen, dass der Buddhismus daher eine sehr arme Religion sei. Da kann man sich nun fragen, wer oder was wird denn da eigentlich wieder geboren?

Das Problem mit der Seele ist ihr Unveränderbarkeit. Ewig soll sie sein, diese Seele. Für Buddhisten aber ist nichts ewig, und schon gar nicht unveränderbar. Schließlich verändern wir uns während unseres ganzen Leben ständig. Ich war als Kind mal ganz versessen auf Biskuitrollen mit Cremefüllung. Kann man mich heute mit jagen. Zugegeben, dass ist vermutlich nicht das Beispiel, dass Kleriker hinter dem Ofen hervorlockt und ich höre schon diffuse Vorwürfe hallen, dass ich da ja was elementar nicht verstanden hätte. Ich will ja nur das Prinzip verdeutlichen. Nichts ist für den Buddhisten ewig, auch nicht sein innerster Wesenskern.

Aber was wird dann wieder geboren? Oder wird man irgendwie ein ganz Anderer? Überträgt man sein Karma an ein anderes Lebewesen? Dem ist nicht so. Auch wenn es keine ewige, unveränderliche Seele gibt, geht etwas ins nächste Leben, was unverkennbar zu uns gehört. Das sogenannte Bewusstseinskontinuum. Der Name ist dabei Programm; es geht ausschließlich um ein geistiges Gebilde. Der Körper ist tote Materie, sobald der Geist ihn verlassen hat. Auf nimmer wiedersehen. Aber das, was weiter geht, fließt wie ein Strom von Existenz zu Existenz. Es ist unverwechselbar, mein Bewusstseinskontiunuum unterscheidet sich absolut von deinem. Keinerlei Verwechslungsgefahr im Bardo.

Bardo, dass ist der undankbare Zwischenzustand, in den das Bewusstseinskontinuum torkelt, wenn es die letzte Existenz verlassen hat. Zu diesem Zeitpunkt, also wenn der Geist den Körper verlässt, ist das Bardo-Wesen noch recht sensibel für seine Umwelt. Zumindest für Gerüche.

In diesem Zwischenzustand verharrt es dann, bis es seine neue Existenz gefunden hat, für die es bestimmt ist. Das teilt nicht etwa ein Gott oder ein Schicksal zu, sondern simpel das Karma. An dieser Stelle wird interessant, wie man im letzten Leben so drauf war und ob es für einen stattlichen Tiger reicht oder doch eher der Mehlwurm wird.

Das war ein Witz. Leider ist das Problem nicht so linear. Es kommt immer mal das Gerücht auf, da schwinge so etwas wie ein Sündenfall mit; Menschen, die mit einem schwierigen Leben gestraft sind, wären selber schuld, da sie sich in einem vorherigen Leben schlecht verhalten hätte. So ist das nicht gemeint. Es geht überhaupt nicht um so etwas, was stark an die christliche Erbsünde erinnert. Der Punkt ist, dass karmische Anlagen die Wahl der neuen Existenz leiten. Fertig. Welche Anlagen aus welchem Leben da wie hinein spielen ist zunächst einmal ungewiss.

Der Bardo-Aufenthalt kann unterschiedlich lange dauern. Manches Bardo-Wesen wirft sich sofort in seine neue Existenz. Andere – insbesondere mächtig weise Praktizierende – verweilen auch mal länger. Für Normalos ist nach sieben Tagen Schluss und das nächste Leben nimmt seinen Gang. Wer’s voll drauf hat kriegt bis zu zweimal Verlängerung, wird aber spätestens nach 49 Tagen in die neue Existenz katapultiert.

Dafür gelangt das geistige Kontinuum an den Ort, an dem der neue Körper gerade gezeugt wird und dringt nach klassischer Lehre über den Scheitel in den Körper eines Elternteils und von dort in die befruchtete Eizelle. Eine neue Existenz hat begonnen.





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