Das ABC der Psyche – Teil I

Dies ist eine bunte, kleine Sammlung von Begriffen aus der Psychologie oder Personen die sich in ihrem Umfeld verdient gemacht haben. Trotz des alphabetischen Charakters ist es natürlich kein Lexikon sonder ein Sammelsurium aus Interessantem das der amüsanten und neugierigen Zerstreuung dienlich sein möge.

Abwehrmechanismen

Abwehr ist zunächst nichts schlechtes: wir benutzen sie alle – sei es bewusst oder unbewusst – denn sie stabilisiert unser seelisches Gleichgewicht. Anna Freud widmete sich ausführlich diesem Thema, als ehemalige Lehrerin hatte sie augenscheinlich ihre Erfahrungen gesammelt. Sie spezialisierte sich auf die Psychoanalyse bei Kindern.

Bedürfnisse

Der amerikanische Psychologe Abrahm Maslow glaubt, dass Bedürfnisse der entscheidende Antrieb sind, dass Menschen handeln. Die unterschiedlichen menschlichen Bedürfnisse bauen wie in einer Pyramide auf einander auf, erst wenn die Basis gefestigt ist, streben wir nach dem nächst höheren.

Cajal

Der Mediziner und Nobelpreisträger Santiago Ramón y Cajal arbeitete an der Feinstruktur des Nervensystems des Gehirns und Rückenmarks. Berühmt ist er vor allem für seine hoch präzisen Zeichnungen. (Als rebellischer Teenager widersetzte er sich den Wünschen seines Vaters und ließ sich zum Künstler ausbilden.) Die feingliedrigen Darstellungen der Neuronen erinnern an Bäume, sind weltbekannt und tauchen auch in modernen Fachbüchern auf.

Depersonalisation

Opfer von Folter oder sexueller Gewalt berichten immer wieder, wie sie ihren Körper während der Tortur verlassen und das Geschehen von außen beobachten. Dabei empfinden sie keinen Schmerz. In einem besonderen Fall berichtete ein Mann, der in einer Gefängniszelle beinahe zu Tode getreten wurde, er hätte im Gegenteil eine große Verbundenheit gefühlt als er frei im Raum über seinem Körper schwebte und sich sogar als Teil des Stiefels empfunden, der ihn beinahe tötete.

Einzelkind

Einzelkinder sind verwöhnt, überbehütet und ich-bezogen. Dachte man lange. Wissenschaftlich lassen sich diese Urteile nicht halten, auch wenn sie weiter in den Köpfen vegetieren. Bei den meisten Persönlichkeitsmerkmalen lässt sich kein Unterschied zu Geschwisterkindern feststellen – ein Glück, immerhin gibt es in Deutschland am meisten Familien mit nur einem Kind.

Freundschaft

Eine soziale Beziehung in der es um Vertrauen, Anerkennung, Hilfsbereitschaft und Zuneigung geht. Je stärker diese Empfindungen ausgetauscht werden, desto stärker die Freundschaft. Ein häufiges Ende ist die Geburt eines Kindes, denn das beansprucht die meiste Zeit und Energie. Übrigens sind Freundschaften bei Erwachsenen hauptsächlich zwischen Frauen erforscht, da Männer Untersuchungen oft verweigern.

Geborgenheit

Das Gefühl, bedingungslos angenommen zu werden und ganz wir selbst sein zu können lernen wir in frühester Kindheit durch unsere Eltern. Erst dadurch beginnen wir, uns neugierig in die Welt hinaus zu wagen und in Kontakt zu treten. Um so schlimmer, wenn wir keine Geborgenheit erfahren haben, schwerer psychischer Stress kann die Folge sein.

Hypnose

Das Bewusstsein verändert sich zu einer Trance, kritisches Denken und Willenskraft funktionieren nicht mehr wie gewohnt, all das geschieht bei einer Hypnose. Klingt ein wenig gruselig, hat aber auch angenehme Effekte wie z.B. eine tiefe Entspannung, die man auch im Autogenentraining selber erzeugen kann. In der Therapie geht es besonders darum, Kindheitserinnerungen wieder ins Gedächtnis zu bringen.

ICD-10

Ärzte verschlüsseln Erkrankungen nach einem internationalen Code, den die Weltgesundheistorganisation herausgibt (mittlerweile in 10. Revision, daher die 10). Wer wissen möchte, was sich hinter den kryptischen Abkürzungen wie A15.0 oder F31.2 kann in einem Lexikon nachschlagen oder eine App benutzen. Allerdings sollte Ihr Arzt Ihnen im ersten Fall auch gesagt haben, dass Sie an Tuberkulose erkrankt sind. Sollte er nicht mit Ihnen über Ihre Diagnosen gesprochen haben hat das möglicherweise auch seinen Sinn.

Jungfräulichkeit

Spektrum nennt Jungfräulichkeit ein sexualmoralisches Ideal von Männern. Der Kult um die weibliche „Unschuld“ hat in Europa stark abgenommen, erlebt aber gerade in Amerika im „Jungfrauen-Gürtel“ ein neues Mittelalter. Vereinzelt bieten Frauen ihre Jungfräulichkeit im Internet zum Verkauf, angeblich meist, um universitäre Bildung oder medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen und bekommen dafür große Summen geboten.

Körper

In dem breiten Spektrum des Ichs zwischen dem Geist auf der einen Seite und dem Körper auf der anderen, ist es schwer eine Grenze zu ziehen. Seelische Beschwerden schlagen sich als physische Beschwerden und Schmerzen nieder, körperliche Erkrankungen werden nicht vollständig geheilt wenn die Psyche nicht miteinbezogen wird. Sind am Ende alle Krankheiten psychosomatisch?

Lobotomie

Leonardo di Caprio spielte einen Psychopathen im Film Shutter Island, der dieser altertümlichen Prozedur unterzogen werden soll. Dabei werden die Nervenbahnen zwischen dem Stirnhirn und den tieferen Gehirnabschnitten durchtrennt, da es aber ein hohes Risiko und problematische Nebenwirkungen gibt, wird die Methode heute nicht mehr praktiziert. Statt dessen behandelt man schwere Zwangszustände und Schizophrenie heute mit Psychopharmaka.

Milgram-Experiment

Bei diesem Experiment waren Versuchspersonen von einer Autoriät aufgefordert worden einem anderen Menschen (einem Schauspieler) Stromschläge zu geben. Zwei Drittel der Teilnehmer verabreichten dabei sogar tödliche Stromstöße. Das Experiment dient zur Erklärung, warum gewöhnliche Menschen auf Geheiß von Vorgesetzten grausame Verbrechen, z.B. im dritten Reich verüben bzw. verübt haben.

Narzissmus

Der aus der griechischen Mythologie stammende Jüngling Narziss erblickte sein eigenes Spiegelbild in einem See und verliebte sich unsterblich in sich selbst. Nach dieser Geschichte ist der Charakterzug benannt, der in unserer leistungsorientierten Gesellschaft gefördert wird. Im schlimmsten Fall wächst er sich bis zu einer Persönlichkeitsstörung aus.

Nächste Woche gibt’s Teil 2.






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