Wofür brauche ich Gelübde?

Gelübde sind etwas Altertümliches, dass an romantisch-tragische Geschichten aus Fantasy-Romanen oder mittelalterliche Heldengeschichten erinnert. Wackere Kämpfer oder heilige Mönche nehmen Gelübde. Und dann sind da noch die Buddhisten.

Hinter diesem extravaganten Begriff verbergen sich ein paar Richtlinien und Verhaltenshinweisen, die dem Gelübde-Nehmer helfen, sein Leben auf die Reihe zu kriegen, so dass es im Zweifel auch für die Erleuchtung reicht. Wie und Was unterscheidet sich je nach buddhistischer Tradition.

Aber wozu eigentlich das Ganze? Gibt es nicht schon genug Regeln zu befolgen?

Ja, das stimmt wohl. Bei einem Gelübde geht es aber nicht darum, die Handlungsmöglichkeiten weiter einzuschränken, um ein „sicheres“ oder „richtiges“ Leben ab zu stecken. Vielmehr sind sie ein Leitfaden, der einen immer wieder zurück auf den Weg führt, auf dem man sich entschlossen hat, seine Fußstapfen zu hinterlassen. Das ist nämlich gar nicht so einfach in einer Welt voller Versuchungen und Verlockungen. Einfach der Weg zur dunklen Seite, er ist. Und es ist echt praktisch, wenn man sich von Zeit zu Zeit mal daran erinnert, was man mit seiner Lebenszeit eigentlich wirklich anfangen wollte.

Kurz und knackig bringt es der tibetische Mahayana-Buddhismus auf den Punkt. Fünf kurze, prägnante Sätze kann man hier als Laie nehmen, die einem Verdienst einbringen, wenn man sich daran hält. Heißt übersetzt, dass es flotter voran geht, auf dem Pfad zum Glück.

1. Nicht töten
2. Nicht stehlen
3. Nicht lügen
4. sexuelles Fehlverhalten vermeiden
5. Kein Alkohol

Dieses fünfteilige Laiengelübte fußt auf den zehn heilsamen und unheilsamen Handlungen, den ethischen dos&don’ts des Buddhismus. Denn ohne Ethik nix los: Moralisches Handeln ist der Grundpfeiler in jeder Religion und auch unter den glatzköpfigen Robenträgern wird erst die Ethik auf Vordermann gebracht, bevor abgefahrene Rituale praktiziert werden.

Das morden nicht sie beste aller Ideen ist, hat man schon mal gehört. Aber wen oder was eigentlich? Recht flott ist man dann dabei, Spinnen in Gläsern zu fangen und nach draußen zu tragen und seine Spaghetti mit Mozzarella statt Scampi zu löffeln. Und dann dann sind da ja noch all die grausamen Gedanken. Auch wenn die meisten von uns nicht wirklich zu Machete und Beil greifen, es gibt sie doch, die Menschen, die uns zur Weißglut bringen, immer und immer und immer wieder. Da kann man schon mal auf die Idee kommen, dass es ganz gut wäre, wenn es diesen Menschen nicht mehr gäbe. Und manchmal denkt man vielleicht auch: wäre ganz gut, wenn es mich nicht mehr gäbe.

Das ist normal. Jeder denkt irgendwann mal so. Wenn man das immer wieder tut, gewöhnt sich das Gehirn aber daran, unsere Neuronen sortieren sich um, und diese destruktiven Gedanken werden normal. Plötzlich hat man da ein eingeschliffenes Denkmuster, dass das eigene Ableben propagiert. Das ist sehr gefährlich.

Dann töten wir in Gedanken. Und wenn nicht mit konkreten, blutigen Fantasien, dann mit harschen Urteilen, Schubladen, in die eifrig sortiert wird und starren Ansichten. Auch das kann man als Akt des Tötens ansehen.

Lügen und Stehlen kann man ebenso abstrakt sehen. Wieder gehen die wenigsten in einen Laden und verlassen ihn mit unbezahlten Waren in den Taschen. Aber wer zieht sich nicht gerne zurück, obwohl er eigentlich dringend gebraucht wird. Oder spricht über Dinge, die er eigentlich gar nicht so genau weiß, nur um sich am Gespräch über diese oder jene Person zu beteiligen.

Und dann ist da das vorletzte Gelübde: Sex! Da sind Buddhisten recht liberal. Fehlverhalten bezieht sich dabei hauptsächlich auf Beziehungen, weniger auf sexuelle Praktiken. Da ist im weitesten Sinne alles erlaubt, was dem anderen nicht schadet. Allerdings hat man nichts zu suchen, wo zwei Menschen bereits glücklich miteinander sind. Unruhe in bestehende Beziehungen bringen, oder diese sogar zu zerstören ist nicht in Ordnung. Gilt natürlich genauso, wenn man derjenige ist, der da liiert ist und Avancen bekommt.

Das letzte Laiengelübde klingt etwas nachträglich angedichtet, so als sei es erst in modernen Zeiten dran gehängt worden. Ist es nicht. Schon der Buddha hat vom Alkoholkonsum abgeraten. Aber warum eigentlich? Wusste der ein Feierabendbierchen nicht zu schätzen?

Alkohol benebelt wie jedes andere Gift auch den Geist. Und der muss klar sein, sonst wird das nichts mit der Erleuchtung. Aber auch nicht unbedingt mit dem ganz normalen Glück, das jeder gerne hätte. Denn Alkohol (und ähnliche abhängig machende Substanzen) benutzen wird gerne, um vor dem, was gerade in uns und um uns herum los ist zu entkommen. Kann man verstehen. Bringt einen aber nicht weiter. Daher besser aushalten und gleich hinschauen, was da eigentlich los ist. Für viele ist das kein Widerspruch damit, mal mit Freunden einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt zu trinken oder ähnliches zu unternehmen. Dann schließt man das letzte Gelübde eben aus und nimmt nur die ersten vier. Passt. 






Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.