Todestrieb – EXKURS Ist Terror der neue Krieg?

An dieser Stelle ist ein kleiner Exkurs angesagt. Denn bislang ging es immer um Krieg und bewaffnete Konflikte. Das Thema, das heute am meisten Angst und Schrecken mit sich bringt ist Terror. Und mit Terror verhält es sich ein klein wenig anders als mit Krieg.

Als erstes muss man festhalten, dass Terrorismus ein zeitlich stark schwankendes Feld ist. In den top sechs der Staaten, in denen Terrorismus eine schwer wiegende Rolle spielt, finden sich über die letzten Jahrzehnte komplett unterschiedliche Staaten. Terrorismus ist also ein Phänomen das stark fluktuiert; wo heute ein verheerender Anschlag den nächsten jagt, kann es in den nächsten zehn Jahren ganz anders aussehen.

Forscher sind sich uneins, woran das liegt. Eine einfache Arbeitshypothese lautet, dass Terroristen mit der Zeit ihre Aktivitäten leid werden. Das Leben ist für sie nicht angenehm, sie leben unter großen Entbehrungen, sind permanent mit extremer Gewalt und Verfolgung konfrontiert. Niemand macht das gerne lange. Es könnte also sein, dass Terroristen irgendwann frustriert aufgeben um in ein etwas gemäßigteres Leben zurück zu kehren. Denn ihr Zeil erreichen sie praktisch nie.

Auch ohne hübsche Infografik ist an dieser Stelle auch unbedingt an zu führen, das Terrorismus kein neues Phänomen à la IS oder al-Qaida ist. In den USA gab es noch niemals so wenig Anschläge wie heute. Trotzdem wird die Angst davor geschürt und gefühlt wie nie zuvor.

Man könnte also fast sagen, dass der Terror auf dem Vormarsch ist. Dabei ist er das ja nun gerade nicht, sondern immer schon da gewesen, nur das wir uns jetzt ganz besonders darüber aufregen und uns vereinnahmen lassen. Das mag auch mit der modernen Kriegsführung zu tun haben:

Kriegsführung 2.0

Den Begriff habe ich mir ausgedacht, es gibt in Fachkreisen allerhand unterschiedlicher Begriffe für verschiedene Phänomene in der Art wie heute Kriege geführt werden. Am wichtigsten: Krieg und Frieden werden immer schwerer zu unterschieden. Beides geht in einander über, verschwimmt gerade zu und lässt sich nicht mehr klar von einander trennen. (Nur um ein Stichwort zu nennen, wer sich da weiter informieren möchte: liquid warfare)

Das ist ein Desaster. Menschen leben in solchen Gebieten in konstanter Anspannung, ohne das sich ihre Gelingensbedingung verbessern würde, wenn es wieder „Frieden“ gibt. Soweit ist es schon, Anführungsstriche für dieses edle Wort.

Reiter und Haubitzen sind nicht mehr aktuell, heute führt man einen Krieg voll automatisiert und nach einem Algorithmus. Eine Drohne tötet ganz automatisch, gesteuert auf der anderen Seite der Erde. Da gibt es keinen Blutzoll mehr. Das alles ist frustrierend für einen Todestrieb. Das Blut rinnt nicht mehr über den Arm. Das Verbot ist zu abstrakt, die Gefahr zu wenig greifbar, daher bleibt auch die alarmierende Belebung aus.

Zurück zum Terrorismus. Kann es sein, dass jetzt, wo Krieg nicht mehr wirklich seinen Zweck erfüllt, Terrorismus der neue Krieg ist?

Terror verbreitet Angst und Schrecken. Das ist seine Wirkung, aber auch die initiale Absicht. Ein Krieg, der seine Mittel voll ausschöpfen würde, wäre heute zu viel für diese Erde. Es gibt zur Zeit um ein vielfaches mehr Atomwaffen als nötig wären, den Planeten zu zerstören und die Menschheit zu vernichten. Klingt nach schnöder Übertreibung. Ist es aber nicht. Terror könnte also eine Art Ersatzhandlung werden, um Veränderungen zu erzwingen aber weniger Ressourcen zu zerstören.

Hier geht es zum Résumé.

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