Todestrieb – PART II Warum denn dann überhaupt Krieg?

Jetzt wird es Zeit für schöne, wissenschaftliche Fakten. Das die Welt besser wird, war ja bislang eine anmaßende Behauptung. Mal sehen, was dahinter steckt.

Schauen wir mal auf die Kriege: Seit Jahren sehen wir praktisch nichts anderes in den Nachrichten und es fällt schwer zu glauben, dass es davon heute weniger geben sollte als früher. Is aber so. Hier das Ganze in Grafiken:


 

 

Quelle: Our World in Data.

Seit Jahren gehen die Todeszahlen durch militärische Auseinandersetzungen runter. Wichtig ist hier vor allem die Todesrate pro 100 000 Personen pro Jahr, denn dabei wird auch die steigende Weltbevölkerung berücksichtigt. Kurz – es sterben immer weniger Menschen durch Krieg.

Geht das also immer so weiter? Können wir uns da entspannt zurück lehnen und abwarten bis sich der Weltfrieden ganz von alleine einstellt? Und: Kommen wir darauf klar? Können wir Weltfrieden überhaupt? Oder wird es immer Krieg geben? Das sind schwierige Frage, die man von allerhand Seiten betrachten kann. Schnappen wir uns doch einfach mal die Psychologische.

Warum Krieg?“ fragte schon vor beinahe hundert Jahren Albert Einstein Sigmund Freund. Man schrieb sich Briefe. Man war sich mehr oder weniger einig. Aggression ist etwas zutiefst menschliches. Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen liegt uns quasi in der Psyche und Freud bezog einen recht pessimistischen Standpunkt in dem er den Todestrieb ins Feld führte.

Nun sind wir Menschen in unserem Kern manchmal doch simpel gestrickt: Entweder uns gefällt etwas, wir wollen es für uns, haben, eins werden, wie auch immer. Das ist der anziehende Part. Dann ist da die andere Hälfte – das was weg soll, was zerlegt gehört, zerstört, beseitigt. Weniger populär und doch genau so stark, der Drang in uns zu vernichten. Das ist der Todestrieb.

Menschen zerstören also gerne. Aber stehen wir uns denn da nicht selber im Weg? Kriege haben immer irgendeinen vermeintlichen Zweck verfolgt und allerhand Wirkungen nach sich gezogen. In den Zeiten absoluter Bedrohung stellen sich die (Über-)Lebensgeister in uns ein: Das Überleben muss gesichert werden, später das Land wieder aufgebaut werden. Selbstmordraten gehen signifikant zurück.

Freud sagt über den zweiten Weltkrieg: „Das Leben wurde in der Tat wieder interessant; es hat seinen vollen Inhalt erhalten.“

Wir – also du, lieber Leser und ich – wir leben in bequemen Zeiten, in denen es in unserem direkten Umfeld ruhig zu geht, wenn es um Krieg und Zerstörung geht. In anderen Ländern sieht das ganz anders aus, und wir sind darüber im Bilde, denn die Medien informieren eifrig. Und es geht uns zu Gemüte. Da gibt es viele Blumen und Kerzen und Anteilnahme, für Menschen die sehr weit weg leiden.

Kann es nun sein, dass das etwas mit dem ersten Teil (also PART I ) zu tun hat? Zum Schluss haben wir da ja gesehen, dass wir uns manchmal ganz schön hilflos in unserem eigenen Leben fühlen, wenn wir es in einen globalen Kontext stellen. Vielleicht gibt das Leben nicht mehr her, für was es eigentlich herhalten könnte. Vielleicht fühlen wir uns deshalb manchmal so leblos. Vielleicht braucht es da Abhilfe.

Und da kommt er keck um die Ecke, winkt fröhlich und fragt, ob er nicht behilflich sein könnte. Der Todestrieb. Aber macht das Sinn? Kann es sein, dass wir uns da in einem kollektiven Todestrieb verhastpelt haben?

Schauen wir doch noch einmal ganz genau, wie das nun eigentlich funktionieren soll, dass man sich besser fühlt, wenn der Sensenmann an die Tür klopft. Klingt ja erst mal sehr seltsam. Schließlich ist der Tod doch etwas, dass uns mit soviel Angst versetzt, dass wir eine ganze Menge Energie darein stecken ihn Tag ein Tag aus aus unserem Leben zu verbannen.

Niemand stirbt gerne, schreibt Tobi Katze. Recht hat er und das auch, obwohl sich seine Aussage auf Menschen bezieht, die freiwillig mit dem Gedanken hadern zu sterben. Wenn man so weit geht und so sehr leidet, geht es nicht immer nur darum, seinem Leben ein Ende zu setzten. Manchmal geht es auch einfach darum, sie wieder lebendig zu fühlen.

Menschen, die sich selbst im hohen und höchsten Maße selbst verletzen sehnen sich nach einem Ausbruch aus dem ganzen Sumpf, der ihnen bis zur Nasenspitze reicht. Und wenn dann das dunkle Blut langsam den Arm hinunter rinnt, kommt man wieder in Kontakt mit sich selbst, seinem Körper und seiner Umgebung – kurz dem Leben, denn da ist Gefahr im Verzug. Deshalb tut man so etwas ja.

Seneca sagt: „Niemand erfreut sich des wahren Geschmacks am Leben, außer demjenigen, der bereit und willens ist, es zu verlassen.“

Gehen wir mal zurück zur Allgemeinheit: So verhält es sich mit jedem Menschen. Den Tod verdrängen wir, aber wenn wir uns abgestorben fühlen, kommen wir zurück zur Lebendigkeit, wenn wir uns ihm – auf welche Art auch immer – näher fühlen.

Und hat das alles nun vielleicht damit zu tun, dass wir uns hier in unserer friedlichen kleinen Welt so sehr mit den Kriegen und Attentaten in anderen Ländern beschäftigen?

Hier geht es weiter zu PART III.

Hier geht es weiter zu einem EXKURS: Terror.

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