Aufrichtigkeit

Ein armer Mann zog durch die Lande, ging von Haus zu Haus und bat um etwas Geld. Er verkaufte selbstgebastelte Grußkarten mit keinen Kätzchen darauf. Eines Tages kam er in ein kleines Dorf und läutete an der Pforte eines großen Hauses in dem ein reicher Mann wohnte. Der Hausherr öffnete, hörte sich kurz die kleine Ansprache des armen Mannes an, schüttelte den Kopf beim Anblick der Kätzchen-Karten und wollte sie Tür schon wieder schließen, da viel ihm etwas ein.

„Komm doch kurz herein, ich habe ein Anliegen an dich.“ Sagte er zu dem armen Mann. Der wunderte sich etwas, war aber angetan einmal in die edlen Hallen zu treten und wischte sich ganz ordnungsgemäß die Schuhe ab.

„Sieh her, ich habe diese Nachbarin. Sie ist alt und hässlich und krank und morgen stirbt sie ohnehin. Sie schreit die ganze Zeit, wenn wir kurz inne halten, können wir es wohl hören.“ Beide Männer schwiegen kurz und in der Tat ließ sich ein plärrendes Klagen durch die Wände hören. Der arme Mann staunte.

„Wie ich also sagte, es ist ganz grausig mit ihr und sie raubt mir jeden Schlaf. Ich gebe dir fünf hübsche lila Scheine, wenn du hinüber gehst und sie jetzt gleich totschlägst.“

Der arme Mann staunte weiter. Er beschloss sich die Sache einmal an zu sehen, nahm das Geld und ging hinüber zu dem Haus neben an. Auf sein Leuten öffnete niemand doch er fand die Tür nicht verschlossen und folgte dem kläglichen Gewimmer und Gebrüll in den ersten Stock. Dort lag eine alte, hässliche und kranke Frau auf einem Lager auf dem sie vermutlich in der nächsten Nacht sterben würde.

„Warum weinst und schreist du?“ fragte der arme Mann.
„Siehst du denn nicht, dass ich alt und hässlich und krank bin?!“ kreischte die Frau.
„Doch doch, das sehe ich schon.“
„Na also, ich sterbe hier, und niemand ist da und bald ist es zu Ende und ich bin ganz allein.“
Da machte es sich der arme Mann neben ihrem Lager bequem und zog die selbstgemachten Karten und seiner Jackentasche.
„Dein Nachbar schickt mich mit dieser Karte hier her. Du magst wohl Kätzchen?“
Und die Frau wurde mit einem Mal ganz still. Sie nahm die Karte, betrachtete das Bild (Das Kätzchen war mit einem glitzernden Faden auf das Papier gestickt) und aus ihren Augenwinkeln kullerte ein Tränchen.

Der arme Mann saß dort eine Weile, hielt ihre Hand und als sie in der Nacht starb brachte er sie in den Garten und den alten Apfelbaum. Kaum war die Sonne wieder aufgegangen, klopfte er erneut bei dem reichen Mann an.
„Die Frau ist tot, aber es hat noch einiges gedauert und war überhaupt recht anstrengend und verscharrt habe ich sie auch. Ich will noch mehr von den lila Scheinen.“
„Oh natürlich! Da – nimm, dreimal so viel sollst du haben, so gut wie heute Nacht habe ich schon lange nicht mehr geschlafen.“ rief der reiche Mann und überreichte eine weitere beträchtliche Summe Geld.

Dann ging der arme Mann pfeifend seiner Wege.






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