Ilse wartet auf Herrn Makarell

Es war noch vor der verabredeten Zeit, da setzte sich Ilse in ihren Sessel. Sie erwartete Besuch: Herr Makarell hatte sich angesagt. Daher zupfte sie nun etwas an den Ärmeln ihrer Bluse und richtete sie Fransen am Saum des Teppichs, die gute Frau war etwas nervös.

Das Hausmädchen erkundigte sich, für wann sie den Tee bereiten sollte. Für den Nachtmittag hätte sich Herr Makarell angesagt, Ilse erwartete ihn nun jede Minute. Ach, aber sie solle das mit dem Teewasser noch lassen, man wisse ja nicht, ob der Herr nicht Kaffee bevorzuge. Das Hausmädchen nickte. Ob sie der Dame in der Zwischenzeit etwas bringen könnte?

Ilse schüttelte ganz entschieden den Kopf. So etwas war unsinnig und kein weiteres Wort darüber! So etwas wolle sie nicht hören. Selbstverständlich erwarte sie den Herren! Und so saß die Dame in ihrem Sessel, kontrollierte alle Nase lang einmal das Blumengesteck, den Staub auf der Anrichte und eben die Knöpfe an ihren Handgelenken, gerade alles, wo sie von ihrem Platz aus heran kam.

Bei jedem Geräusch hob sie den Kopf und lauschte. War das das Automobil des Besuchs? Nein, es war nur das Brummen der Hochspannungsleitung. Knirschte da nicht der Sand in der Auffahrt? Nein, das Hausmädchen brachte nur den Müll raus. Warum sie dass denn auch gerade jetzt erledigen musste, gab es denn keinen besseren Zeitpunkt, als wenn jeden Augenblick der Herr Makarell eintreffen könnte.

Man hörte nichts als das taktvolle, beständige Ticken der Standuhr in der Ecke. Langsam wanderten die Zeiger. Ilse stand auf, korrigierte das Blumenarrangement leicht, damit die Begonien im Licht waren und rückte das Spitzendeckchen am Kaffeetisch zurecht. Da kam das Hausmädchen wieder herein.

Ist er da? Ist der Herr Makarell angekommen? Nein, aber sie wolle fragen, ob die Dame nicht ein paar Kekse für die Zwischenzeit wünsche. Sie reichte einen kleinen Porzellanteller mit etwas Gebäck. Schließlich sei es schon einiges nach der Teezeit. Ilse nickte abwesend und stellte den Teller auf die Anrichte neben ihren Sessel. Dort saß sie nun, die Schultern nach vorne gezogen, den Kopf gesenkt und fragte sich, wie lange es wohl noch dauern möge.

Als es Abend wurde, kam das Hausmädchen erneut. Ein Teller Suppe wäre im Esszimmer bereit, falls die Dame zu Abend zu essen wünsche. Aber der Herr Makarell war doch noch gar nicht zum Tee hier! Rief Ilse ganz erbittert. Warum er sich denn nicht gemeldet habe, den ganzen Tag habe das Telefon nicht geläutet. Dabei sei der Herr Makarell doch so ein korrekter Herr. Das Hausmädchen zuckte mit den Schultern. Vielleicht habe der Herr auf dem gleichen Weg abgesagt, wie er sich angekündigt habe. Ja, das könnte sein! Das war möglich! Rief Ilse und ging hinüber zur Suppe.

Der Teller war leer, Ilse legte den Löffel beiseite und das Mädchen wollte das Geschirr abräumen. Sie werde noch ein wenig aufbleiben, nur für den Fall, sagte Ilse ihr. Das Mädchen stellte den Teller ab. Sie glaube nicht, dass Herr Makarell heute noch käme. Die Dame mag vielleicht einfach ins Bett gehen? Ilse schaute sie an. Ihre Augen waren ganz groß. Dann käme er morgen? Morgen käme Herr Makarell. Das könnte sein, sagte das Hausmädchen und sah auf den Teller als sie ihn wieder anhob.

Vor der Nacht schlüpfte Ilse in ihr Nachthemd und zupfte das Hausmädchen noch einmal am Ärmel. Ob sie wohl morgen wieder so einen hübschen Teller Kekse bereiten würde? Vielleicht käme der Herr Makarell ja morgen. Das Mädchen steckte sie unter die dicke Bettdecke. Sie würde gerne wieder Gebäck reichen. Aber vielleicht kommt der Makarell auch morgen nicht. Vielleicht kommt Herr Makarell niemals. Ilse nickte. Das könnte wohl sein. Aber vielleicht doch besser ein Tellerchen, nur zur Sicherheit. Vielleicht kam er ja doch.






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