Alles, was man über Freud wissen muss: Anna und Sigmund in 13 Fakten

1.) Freud ist nicht der Erfinder der Psychoanalyse

Freud war Psychiater und übernahm von einem Kollegen die Idee, dass es Menschen, die unter schweren Erlebnissen litten, helfe, wenn sie laut darüber sprechen. Er entwickelte die Technik weiter, indem er es den Patienten bequem machte (daher die Couch) und sie ganz frei reden lies. Seine Idee war, dass die Worte weitere Dinge aus dem Unterbewussten ans Licht bringen würden, was wiederum unterbewusste Muster auflösen würde, die dem Patienten das Leben schwer machten. Er nannte das freies Assoziieren.

Übrigens: der Kollege war Josef Breuer, der die berühmte Anna O. (ein Pseudonym) behandelte. Sie kam selbst auf die Idee, ihren Arzt voll zu texten weil ihr das helfe. Er machte bereitwillig mit und schrieb zusammen mit Sigmund Freud ein Buch darüber, die Studien zur Hysterie.

2.) Das Genie braucht Zeit

Seine Bücher, die ihn berühmt gemacht haben, veröffentlichte er erst in der zweiten Hälfte seines Lebens. Zu Anfang war er damit beschäftigt, als Arzt Geld für seine Familie zu verdienen.

3.) An die frische Luft!

Er schätzte Spaziergänge und legte sich später neben der Wohnung in der Berggasse auch ein Häuschen außerhalb von Wien zu, um Sonne und frische Luft tanken zu können.

4.) Inspiration & Hobby

Freud war fasziniert von Archäologie. In seinen Bücherregalen reihte sich ein Band an den nächsten und er scherzte gerne, dass es mehr Fachbücher über Ausgrabungen in seinem Arbeitszimmer gäbe als über Psychologie. Neben der Literatur sammelte er auch Artefakte und stellte sie in Vitrinen aus. Für ihn kam seine Arbeit der eines Archäologen gleich.

5.) Wie Sigmund Freud die Welt sah

Sein Weltbild war überaus deterministisch und von Helmholz inspiriert. Besonders gegen Ende seines Lebens hatte er keine hohe Meinung von Menschen, Grund dafür werden wohl auch seine Erfahrungen vor und mit dem zweiten Weltkrieg gewesen sein.

6.) Zwei Große unterhalten sich

In einem Briefwechsel mit Albert Einstein setzt er sich mit der Frage auseinander, warum es überhaupt Krieg geben muss.

7.) Flucht vor den Nazis

Freud war Jude und bereits sehr alt als sein Leben in Wien durch den Nationalsozialismus immer weiter eingeschränkt wurde. Wie viele andere auch wollte er in seiner Heimat ausharren und schlug die Flucht aus bis die SS schließlich seine Tochter Anna verhafteten. Er kaufte sie, sich und einiges seiner Habe frei und migrierte mit Hilfe von Freunden in letzter Minute nach London. Seine berühmte Couch nahm er mit sich und hinterließ mehrere Schwestern in Wien.

8.) Eine warme Empfehlung

Unmittelbar vor seiner Abreise klopfte die SS noch einmal an seine Tür und wollte versichert bekommen, dass er nach allem kein schlechtes Wort auf sie kommen ließe. Freud schrieb: Ich kann die SS wärmstens empfehlen.

9.) Freud trifft Woolf

In London traf er auch mit Virginia Woolf zusammen. Sie und ihr Ehemann gaben als erste seine gesammelten Werke komplett in englischer Sprache heraus. (Sie hatten sich eine Druckerpresse angeschafft und druckten im Eigenverlag Bücher in ihrem Wohnzimmer, darunter nicht nur Freuds sondern auch Woolfs Werke, als sie noch niemand kannte).

10.) Anna Freud

Seine Tochter Anna wurde die Kluge genannt (im Gegensatz zu „der Schönen“ die es auch gab), arbeitete zuerst als Lehrerin, machte dann eine Analyse bei ihrem Vater (was damals noch alles möglich war!) und wurde selbst Psychoanalytikerin. Seit dem zweiten Weltkrieg lebte und arbeitete sie in London.

11.) Unrecht & Ihre Arbeit

Sie lieferte wesentliche Beiträge zur Psychoanalyse, wird aber nicht so oft zitiert, weil sie eine Frau ist. Frauen werden in der Fachwelt immer weniger referenziert als männliche Kollegen, unabhängig von der Qualität und Relevanz der Arbeit. Nein, das ist nicht meine Meinung. Nein, das ist nicht subjektiv und neo-feministisch. Da gibt’s beinharte Studien zu.

12.) Sexualität erregt Aufsehen

Anna lebte in Partnerschaft mit einer Frau. Auf diesen Umstand wies eine Besucherin des Freudmuseums ihren Partner hin während ich gerade die Auslage der Bücher im Shop studierte. Er zuckte mit den Schultern und tat unbeteiligt: Das wär ja auch ok? Ja klar, stimme die Frau ebenso unbeteiligt zu. Es scheint also ein ganz banaler und doch bemerkenswerter Fakt zu sein.

13.) Freud behandelt Monroe

Während ihrer Zeit in London führe Anna Freud einige Gespräche mit Jane Baker (Marilyn Monroe), die bei einem amerikanischen Kollegen in Analyse war.

 

Natürlich ließe sich diese Liste noch um einiges fortführen. Insbesondere über die praktische Arbeit von Sigmund Freud gibt es bemerkenswerte Fakten aber ich wollte mich hier auf die etwas weniger bekannten und doch interessanten Randbemerkungen beschränken. Habe ich etwas vergessen? Was gibt es noch famoses über die Freuds zu wissen?






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