Die Schlange am Boden

Alte indische Weisheit:

Auf dem Boden bei einem Wald, nahe einem kleinen Dorf lag eine Schlange. Sie lag dort gewöhnlich am Rande des Weges ausgebreitet am Boden. Jedes Mal, wenn ein Dorfbewohner das lange, grüne Tier dort schlängeln sah, tat er quieckend einen großen Satz und rannte davon. Die Schlange zischte ärgerlich, schüttelte ihren Schwanz und schnappte wütend nach seinen Fersen.

So ging es eine ganze Weile. Die Dorfbewohner sprangen jedes Mal ein Stück weiter und die Schlange stieß giftig mit den Zähnen nach ihnen. Eines Tages kam ein Mönch in seinen Roben des Weges und traf dort im Dickicht auf die Schlange. Empört richtete sich diese auf, zischelte auf das grausigste und funkelte den kahlköpfigen Mann mit glühenden Augen an.

Der Mann lächelte zurück. „Na Hallo, liebe Schlange“ sagte er sanft und ging vor ihr in die Knie. Die Schlange war verwirrt und zischelte skeptisch. „Na, was ist denn? Du bist es wohl gar nicht recht gewöhnt, dass man freundlich zu dir ist?“ Die Schlange schüttelte den Kopf. Das war ihr ganz und gar neu, damit wusste sie nicht recht etwas anzufangen. Sie zischelte noch einmal aber der Mann lächelte einfach nur weiter freundlich.

„Wenn du immer mit deinen Reißzähnen nach ihnen schnappst, dann haben die Menschen Angst und springen davon.“ Sagte der Mönch, und ehe er wieder ging nahm sich die Schlange, die seine Anwesenheit doch sehr genossen hatte, vor, demnächst etwas ruhiger zu sein und sehen, wie es wohl die anderen Menschen nun machen würden.

So lag sie nun still am Wegrand und wartete, wann sich wohl jemand nähern möge. Die ersten die kamen waren die Kinder. Das mutigste voran robbten sie langsam an die große, grüne Schlange heran, und streckten vorsichtig die kleinen Hände aus. Die Schlange zuckte ein bisschen, denn sie war kitzelig am Rücken, doch unter dem Kinn gekrault zu werden, das behagte ihr sehr.

Das Treiben sahen die Eltern vom Dorf aus und erschraken sehr. Sie glaubten, die Schlange würde ihre Kinder beißen, vergiften und fressen. Schreiend griffen sie sich Äste und Steine und liefen zu der Schlange. Sie schlugen auf sie ein, bis sie blutete und bald gestorben wäre.

Verletzt und voller blauer Flecke gelang es ihr in einen Unterschlupf zu flüchten, wo sie einsam lag und still ein wenig weinte. Irgendwann kam der Mönch zurück ins Dorf und wollte auch seine Freundin die Schlange besuchen und war ganz erstaunt, sie dort in der Grube eingerollt zu finden. „Na, was ist dir denn passiert?“ fragte er besorgt und die Schlange erzählte, was geschehen war.

„Na Schlange, ich habe zwar gesagt, dass du nicht mehr schnappen und beißen sollst, damit niemand stirbt. Aber es spricht doch nichts dagegen, im richtigen Moment zu zischeln.“






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