Würdest du die Drohne bauen?

Wir sitzen in einem Seminarraum, draußen heult der Winde, es wir langsam dunkler. Die Studenten diskutieren. Der letzte Vortrag hatte Drohnen und ihren Einsatz zum Thema, diese kleinen Dinger also, die ohne direkte Steuerung des Menschen durch die Gegend fliegen und Aufgaben erledigen, wie Pakete von A nach B liefern oder Menschen erschießen.

Drohnen sind ein heikles Thema, denn sie können (unter anderem) diese beiden Dinge und vor allem – und das macht es zu so einem brandaktuellen Thema – sie tun letzteres. Wir diskutiertes also und man war sich schnell einig, dass es bessere Regulierungen bräuchte. Nicht jeder darf alles mit den Dingern machen, damit die Dingern nicht alles mit jedem machen können.

Dann wurde es spannend. Der Dozent fragte in die Runde, ob sie Drohnen bauen würden. Bei dieser Frage ging es nicht mehr um kleine Fluggeräte, die GoPros über Sandstrände schweben lassen sondern um die Waffenträgersysteme, die das Militär einsetzt. Eine berechtigte Frage, denn die Studenten, die an diesem Wochenende noch bei Einbruch der Dunkelheit im Seminarraum saßen um über Ethik zu diskutieren waren allesamt angehende Ingenieure.

Ein Student hob die Hand. „Nun, vielleicht nicht die ganze, wenn sie dafür verwendet wird. Aber wenn es nur ein Teil davon ist, warum nicht?“

Der Seminarraum schwieg. Seine Meinung wurde akzeptiert und schweigend wohl zum Konsens erklärt, denn keine weitere Hand hob sich, man sagte nichts und wechselte zum nächsten Thema.

Nun ist diese Aussage doch ganz erstaunlich. Der Student hatte, wie viele andere im Raum auch, Bedenken und Ablehnung gegen einen militärischen Einsatz dieser „Killer-Drohnen“. Er wollte so etwas nicht bauen. Es schien ihm ethisch nicht richtig. Das war der erste Teil seiner Aussage. Aber der zweite? Einen Teil davon – also Beispielsweise den Motor zu fertigen – darin sah er kein Problem. Es war ja nur ein Teil. Nur ein Motor. Ein Motor tötet keine Menschen. Warum auch nicht? Fragte er.

Niemand sagte etwas. Weil es auch nicht einfach ist, gleich etwas darauf zu erwidern. Und doch ist da etwas faul, auch wenn viele so denken, bleiben die Gedanken an dieser Argumentation doch hängen, denn etwas ist da nicht ganz richtig bis zu Ende durchdacht.

Ein Objekt – egal welches – besteht immer aus Einzelteilen. Das gilt für den Küchenwecker genau so wie für die Drohne. Diese Einzelteile können ganz harmlose Komponenten sein, die vielleicht an vielen Stellen zum Einsatz kommen. Ein starker, leistungsfähiger Motor hilft auch der zivilen Drohne, wenn sie Medikamente auf abgelegene Nordseeinseln fliegt.

Es stimmt schon, das Einzelteil ist in sich nicht bedrohlich, erst die Summe macht die tödliche Waffe. Würde man dieses Gesamtkonstrukt, also die ganze Drohne bauen, dann hätte man die gesamte Verantwortung auf seinen Schultern lasten, eine Waffe geschaffen zu haben, die andere Menschen töten wird. Das ist für einige Menschen in Ordnung. Andere sehen hier einen Konflikt mit ihrer Ethik und möchten das nicht.

Baut man nur ein Teil, dann verringert sich die Verantwortung. Vermeintlich. Man hat ja nur dieses eine kleine Ding gebaut. Was andere daraus machen, ist ja deren Sache, deren Verantwortung, jedenfalls nicht mehr mein Problem, weil ich ja nur meine Arbeit gemacht habe.

Trotzdem bleibt es Teil des Ganzen, was nicht hätte geschaffen werden können, wären nicht die einzelnen Teile geliefert worden. Verantwortung liegt auch darin zu sehen, welche Auswirkungen das eigene Handeln haben wird, nicht nur unmittelbar, sondern auch mit allen absehbaren Folgen, egal wie weit weg und langfristig. Dann muss man entscheiden, ob es mit der eigenen Ethik vereinbar ist oder nicht. Verantwortung zu delegieren gilt nicht, damit erspart man sich nur ungemütliche Denken.






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