Big Bumm

Big Bang – das kennt wohl jeder, der große Knall mit dem einmal alles angefangen hat. Big Bumm, dass könnte auch so ein großer Knall sein. Aber der, mit dem vielleicht bald alles aufhört. Zumindest hier auf dem, was gerade unsere Erde ist.

Zu diesem Zeitpunkt, in dem deine Augen, lieber Leser, über diese Zeilen wandern, liegen mehrere Zehntausend nukleare Sprengköpfe an verschiedenen Orten der Welt verteilt. Ein paar tausend davon können jeder Zeit eingesetzt werden. Der Rest wäre dann kurze Zeit später auch bereit.

Das ist dann aber nicht mehr wichtig. Niemand braucht so viele Atomwaffen. Niemand. Ein paar hundert genügen bereits, um den gesamten Planeten zu zerstören. Die schiere Masse, die heute hier lagert dient einzig dazu, andere Staaten zu erschrecken. Schaut her, schreien diese Waffen, hier sind so viele von uns, ihr braucht uns gar nicht angreifen, wir zahlen es euch eh vierzigfach heim, also lasst es gleich bleiben.

Das hat (überwiegend) funktioniert. Muss man ja auch mal sagen. Es gibt so wenig gute Sachen, die man über Kernwaffen sagen kann, da muss man wenigstens kurz eingestehen, dass sich die Menschheit und insbesondere ihre teils recht neurotischen Führer auch in schweren Krisen hart am Riemen gerissen haben und tapfer dem lockenden roten Knopf widerstanden haben.

Gott sei Dank, denn sonst wären wir, die Menschen, passé.

Die Abschreckung hat in so weit funktioniert, als dass nach Ende des zweiten Weltkrieges, in dem hundert tausende Menschen unmittelbar durch die Explosion von Kernwaffen getötet wurden und ungezählt viel mehr an den späteren Folgen gestorben sind, kein Staat diese Waffen eingesetzt hat.

Man ist sich international sehr einig: Niemand darf diese Dinger je wieder benutzen.

Es macht auch keinen Sinn. Eine Auseinandersetzung, ein Krieg ist mit Kernwaffen nicht zu gewinnen. Das sieht für einen kurzen Moment immer so aus, und mit etwas Sandkasten-Logik macht es noch Sinn: Man hat da diese tolle Waffe, die ganz ganz ganz viele Menschen auf einmal umbringen kann, damit macht man doch jeden platt.

Aber das Problem ist, dass der Staat, mit dem man sich nicht ganz grün ist, genau die gleichen Dinger rumliegen hat. Vielleicht nicht ganz so viele. Ist aber egal, denn wenn der nur eine zurück schießt, sind auch ganz ganz ganz viele Menschen im eigenen Land tot. Das lässt sich nicht gewinnen. Das ist nur schlimm für alle.

Sie sind also nicht zu gebrauchen, diese Kernwaffen. Sie liegen einfach rum, um anderen Angst zu machen. So verschafft man sich international Respekt. Das ist der einzige Grund, warum Nordkorea Kernwaffen hat. Nur durch ihren Besitz kann sich die Führung des Landes die Amerikaner vom Hals halten und seine Unangreifbarkeit behaupten.

Das Fatale ist nun, dass niemand garantieren kann, dass sich auch weiterhin alle Menschen, die nukleare Codes haben, am Riemen reißen. War schwierig genug bis hier her und da waren brenzlige Momente…

Menschen sind Menschen und damit emotionale Wesen, die nicht immer logisch reagieren und das ist in Ordnung, wenn das schlimmste, was passiert ist, dass man das Küchenporzellan auf dem Boden donnert oder die Matratze mit dem Fleischermesser zersäbelt. Das geht nicht mehr, wenn die Mittel, die man zur Hand hat, das menschliche Ausmaß an Zersttörungswillen bei weitem überschreiten.

Kernwaffen haben ein Zerstörungspotential, das wir nicht ganz nachvollziehen können. Natürlich zählen wir die Opfer oder berechnen den Radius von Kratern. Aber wir verstehen damit noch nicht ganz das Ausmaß. Es ist mehr ein intellektuelles Veranschaulichen als ein emotionales Begreifen. Das liegt daran, dass unser Gehirn nicht dafür ausgelegt ist.

Mit Kernwaffen haben wir also etwas geschaffen, was zu mächtig ist, um wirklich beherrscht zu werden und zu schlimm um benutzt zu werden. Daher liegen die Dinger nur noch herum. Niemand braucht sie. Das ganze kostet Geld. Das Spaltmaterial zu erzeugen kostet Geld. Die Bombe zu bauen kostet Geld. Die Bombe herumliegen zu lassen kostet Geld. Und das alles für nichts und wieder nichts.

Trotzdem will sie niemand hergeben.

Da sind Leute, die sagen: Hey, wir sind Wissenschaftler und wir haben ein bisschen Angst um die Welt und so, wir kennen uns damit aus, wir können euch die Dinger auseinander bauen und dann seid ihr sie los.

Aber das möchten die Staaten, die Kernwaffen haben nicht. Weil die anderen Staaten, mit denen sie nicht so ganz grün sind sie ja auch nicht hergeben. Niemand will seine zuerst loswerden oder abrüsten, wie wir Friedensforscher es nennen. Das ist ärgerlich, denn es sind wirklich wenige Staaten, über die wir hier reden. Die aller aller meisten Länder der Welt haben keine Kernwaffen, leiden aber genau so unter ihrer Bedrohung.

Kernwaffen haben sich als eine technisch-evolutionäre Verirrung herausgestellt. Sie wurden damals Hals über Kopf entwickelt, ohne das man Zeit oder genügen Abstand hatte, sich die nötigen ethischen Gedanken zu machen, die mit moderner Ingenieurskunst und Wissenschaft einhergeht. Und dann waren sie da. Und dann hat man sie benutzt. Und das war so schlimm, dass sich alle einig waren, dass man es besser bleiben lässt.

Aber die Waffen sind dadurch nicht wieder weggegangen. Und manchmal ist es so viel schwerer, etwas wieder los zu werden als es ursprünglich zu entwickeln. Trotzdem ist es jetzt an der Zeit. Sonst ist es mit einem großen Big Bumm bald vorbei. Mit allem. Mit uns, mit Leben, mit dem Planeten. Nur wegen etlicher handlicher Haufen Uran und Plutonium unter der Weisung von fehlbaren menschlichen Wesen mit verrückten politischen Ambitionen.






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