Todestrieb – PART II Warum denn dann überhaupt Krieg?

Jetzt wird es Zeit für schöne, wissenschaftliche Fakten. Das die Welt besser wird, war ja bislang eine anmaßende Behauptung. Mal sehen, was dahinter steckt.

Schauen wir mal auf die Kriege: Seit Jahren sehen wir praktisch nichts anderes in den Nachrichten und es fällt schwer zu glauben, dass es davon heute weniger geben sollte als früher. Is aber so. Hier das Ganze in Grafiken: Todestrieb – PART II Warum denn dann überhaupt Krieg? weiterlesen

Todestrieb – PART III Jetzt das ganze noch einmal global

Komplexe Systeme wie Staaten zu personifizieren und dann auch noch auf der Ferne zu analysieren ist ja eine ganz böse Angelegenheit. Höchst fragwürdig. Böse, böse. Machen wir es einfach trotzdem, weil es so schrecklich spannend ist. Todestrieb – PART III Jetzt das ganze noch einmal global weiterlesen

Todestrieb – EXKURS Ist Terror der neue Krieg?

An dieser Stelle ist ein kleiner Exkurs angesagt. Denn bislang ging es immer um Krieg und bewaffnete Konflikte. Das Thema, das heute am meisten Angst und Schrecken mit sich bringt ist Terror. Und mit Terror verhält es sich ein klein wenig anders als mit Krieg. Todestrieb – EXKURS Ist Terror der neue Krieg? weiterlesen

Todestrieb – Résumé

Hui, das war viel! Geht also die Welt da vor die Hunde? Wir Menschen sind aggressive Tierchen, die nicht anders können, als uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Und wenn wir es nicht selbst machen, dann brauchen wir es doch irgendwie um uns zumindest lebendig zu fühlen, in einer Welt die immer friedlicher wird und daher weniger Ecken und Kanten bietet, sich daran zu reiben um das volle menschliche Sein aus zu kosten? Todestrieb – Résumé weiterlesen

Wie du endlich wirklich glücklich wirst und dein Leben auf die Reihe kriegst

 

Schritt 1: aufhören 10 Schritte-Beiträge zu lesen
Schritt 2: Schritt 1 befolgen. Jetzt aber wirklich!
Schritt 3: Kontemplieren, warum das immer noch nicht geklappt hat.
Schritt 4: Emotionale Reaktion registrieren
Schritt 5: Vorsichtig nochmal Schritt 1 probieren
Schritt 6: Verstärkte emotionale Reaktion registrieren
Schritt 7: Irgendetwas anderes tun, Himbeerkringel essen, zum Beispiel.
Schritt 8: auslassen. Man kann ja nun wirklich nicht alles mitmachen.
Schritt 9: Emotionale Reaktion registrieren.
Schritt 10: Freuen, dass es doch noch geklappt hat, mit Schritt 1!

 






Spiele der Neurotiker

„Beachte mich, bestrafe mich!“

In einer psychiatrischen Klinik in einer Stadt hängt ein Zettel im Flur. Ein einfaches DinA4 Blatt. In schwarzer Druckertinte stand dort irgendein kurzer Text über Glühbirnen zu lesen. Darunter, sehr groß: SIE BESTEHLEN SICH SELBST!!! Ja, drei Ausrufezeichen, unter dunklen Lampen.

Was mag dem leitenden Psychiater, der die Klinik führt und solche Zettel an die Türen haftet durch den Kopf gehen? Wut, Ärger? Anzunehmen, denn die Botschaft brannte vor Aggressivität. Was mag dem Patienten durch den Kopf gehen, der des Abends, kurz nachdem alle anderen gegangen sind, auf die Stühle steigt und die Glühbirnen aus den Gemeinschaftsräumen dreht?

„Oh, stimmt. Das hatte ich gar nicht bedacht! Richtig, ich bestehle mich ja selbst, wenn ich die Lampen demoliere. Das lasse ich besser sofort, damit geht es mir und allen anderen besser. Vielen Dank, dass Sie mich darauf aufmerksam gemacht haben.“

NEIN!

So denken Patienten nicht. Sie denken: „Oh ja, ich weiß. Ich weiß, dass ich mir selbst und anderen schade. Deshalb tue ich das ja. Aber danke, dass du mich gesehen hast. Und danke, dass du mich schlägst und bestrafst, denn das habe ich verdient. Ich bin ein schlechter Mensch.“

Eine Menge Menschen wissen und verstehen, dass sie ihr Leben sabotieren. Und sie tun es trotzdem. Es bereitet ihnen Befriedigung. Lust. In diesem Fall, wie bei so vielen anderen Spielen, ist es so befriedigend, bestraft zu werden. Auch wenn es nur ein aggressiver Zettel ist, denn Worte können genau so verletzten wie tätige Angriffe. Dieser Zettel sagt, ich habe dich gesehen! Hier bekommst du Aufmerksamkeit, du hast mich wütend gemacht.

Das ist, was der Patient möchte: seinen Arzt ins Handeln zwingen. Ihn wütend machen, ihn frustrieren, ihn verletzten. Jeder Affekt ist willkommen, aber der Masochist schätzt es besonders, wenn er bestraft wird.

„Spiele der Erwachsenen“


Von dieser Art Spiel haben Neurotiker meist ein ganzes Repertoire. Genau darum soll es hier gehen. Der Begriff geht auf den Begründer der Transaktionsanlyse zurück, Eric Berne und wer eine genaue Definition oder umfassende Beschreibungen haben möchte blättert am besten in seinem Buch „Spiele der Erwachsenen“ nach.

Für diese Beschreibung hier ist aber eines wichtig zu wissen: Bei einem Spiel geht es immer um etwas. Der Spieler möchte etwas und das muss nicht unbedingt der naheliegende Gewinn sein, der in Aussicht steht. Das klingt verwirrend? Ist es auch, wenn man nicht so denkt wie der Spieler selbst. All die folgenden Spiele sind wunderbare Beispiele für die passiven Qualen in die sich der gemeine Neurotiker hinein manövriert. Sehen wir und die verschiedenen Spielweisen an:

Neurotiker spielen mit ihren Therapeuten

„Ich verführe, du widerstehst“


Es liegt in der Natur der Sache, das ein Patient gerne etwas von seinem Therapeuten haben möchte. Aufmerksamkeit, Nähe, Zuwendung. Ganz besonders leidenschaftlich und fast klassisch möchte ich sagen, geht es zur Sache, wenn ein älterer, männlicher Therapeut auf eine junge Frau als Patientin trifft. Sind da nur genug unterbewusste Kräfte im Spiel, oh kann das knistern.

Wie bei so vielen Spielen ist es nicht im Interesse des Spielers zu gewinnen. Natürlich ist es das vordergründige Ziel, aber bringt man seinen Therapeuten tatsächlich dazu, dass er seine Hand ausstreckt, hat man doch verloren. Ein Therapeut, der seine Regeln und Grenzen nicht einhält in dem er seinen Abstinenz verletzt, schaden einem. Grauenvoll und tiefgreifend. So sehr man es sich also wünscht, es hilft einem nicht.

Und Trotzdem. Es wird versucht. Mit allen Tricks und Kniffen. Mit weiten Ausschnitten und tiefen Einblicken in lose Stoffe, die verrutschen, beugt man sich nach vorne. Mit versteckten Andeutungen, mit bewussten Anspielungen, mit Witz und Charme und Hilflosigkeit.

Der Job des Therapeuten: Sich nicht beeinflussen lassen. Nicht hinsehen, wo der Stoff verrutscht und Haut durch scheint. Patienten können große Angst davor haben, dass sie ihn tatsächlich manipulieren oder ändern könnten. Genau so macht es Angst, wenn gerade das nicht funktioniert. Was für ein Dilemma!

„Hilf mir! Ich ändere mich nicht.“


Ein Patient, der gegenüber von einem Therapeuten platz nimmt, ist zu der Ansicht gelangt, dass er alleine mit seinem Leid nicht weiterkommt. Jetzt möchte er gerne, das jemand anderes ihm hilft. „Sich Hilfe suchen“ heißt es schließlich, und da ist derjenige nun, und jetzt hat der Arzt bitteschön alles in Ordnung zu bringen.

Dieser wird einem flott und freundlich klar machen, dass das nicht geht. Wenn er könnte, würde er auch, aber am Ende muss man sich eben doch selbst ändern, damit das Leben anders verläuft als es das zur Zeit tut.

So etwas passt uns Menschen nicht. Jeder hängt an dem, was und wie er etwas macht und verändert ungern. Wir möchten gerne der „Gute“ sein, derjenige, der alles richtig macht und nur mit äußeren Umständen zu kämpfen hat, die ihm das Leben schwer machen (nennt man auch Opferrolle, hier entlang, wer mehr wissen möchte!).

Diese Haltung kann ein Patient mit großer Vehemenz vertreten: Es muss ihm unbedingt jetzt sofort ganz nachhaltig geholfen werden, aber selber etwas beitragen? Nichts da!
Gute Therapeuten können hier widerstehen, denn es hilft überhaupt nichts, Ratschläge zu geben oder auf irgendeine andere Art zu versuchen, dem Patienten zu geben, wonach er schreit. Nennt man Rettungsphantasie.

Das entsetzlichste aller Spiele: Suizid – „Liebe mich, sonst sterbe ich“


Unter allen Spielen wohl das verheerendste, man spielt allein und verliert immer. Denn es gibt genau zwei Möglichkeiten: Entweder derjenige hadert mit seinen Suizidgedanken, überwindet sich schließlich doch, sich nichts an zu tun und lebt fortan in großer Scham. Nicht einmal zum Sterben hat er es gebracht. Versager. Demgegenüber steht die Gefahr, dass es doch einmal passiert und er tatsächlich sein Leben beendet. Auch in diesem Fall ist das Spiel, aber auch alles andere verloren.

Dazu kommen Schuldgefühle, denn das Spiel brauch einen Partner. Jemand, der einen lieb hat und über die Konsequenzen, wenn denn die Fürsorge und Zuneigung ausbleiben ins Bilde gesetzt wird. Die Drohung mag indirekt bleiben, aber der Gegenüber weiß, was möglicherweise passieren wird. Dadurch gerät er unter Druck und wird ins Handeln getrieben, ganz so, wie es der Spieler wünscht.

Hat der Spieler noch ein bisschen Empathie für seinen Therapeuten übrig, wird ihm über kurz oder lang klar, dass er da einen anderen Menschen unter Stress setzt, da dieser sich nun große Sorgen macht. Am Ende noch vermeintlich unnütz, da man es ja noch nicht einmal auf die Reihe bekommt mit dem Suizid.

Was für eine Dynamik! Egal wie es endet, es ist entsetzlich. Auch die weicheren Varianten des gleichen Spiels tun allen beteiligten weh: Es muss nicht gleich um den Tod gehen, aber Krankheit und ihre Symptome sind immer ein prima Grund um Zuwendung und Mitgefühl ein zu fordern. Wenn es mir schlecht geht, dann kümmert sich jemand um mich. Dann bekomme ich Beachtung. Steht ein Entzug von diesen Qualitäten an, etwa weil eine Therapie endet, kann alles wieder hervor brechen. Es hat eben Vorteile, wenn man krank ist. Jemand sieht mich, ich bin nicht mehr so verantwortlich, dafür aber umsorgt und geborgen.

Neurotiker spielen mit Neurotikern

Die neurotischen Varianten von „Meins ist besser“: Das Spiel mit der Diagnose
Eric Berne beschreibt in seinem Buch so einiges, was wir veranstalten. Hierbei handelt es sich um einigen neurotischen Sonderformen von dem Spiel, was unter Kindern weit verbreitet ist: „Meins ist besser als deins“.

„Ich bin viel kranker als ihr“


Diagnosen sind für einen Patienten unglaublich wichtig. Endlich hat das Grauen, das die zerfetzte Seele heimsucht einen Namen. Das ist sehr befriedigend. Oder aufwühlend. Oder verstörend. Kommt auf die Erwartungen und die Diagnose an. In jedem Fall eignet sich der griffige ICD10 Begriff gut zum Vergleichen. Und schwubs ist man da in Konkurrenz mit seinen Mitpatienten: Wer hat was? Essstörung? Depression? Wie schlimm? Nicht spezifizierte Symptom-Beschreibung? Oh, das kommt gar nicht gut. Lieber die handfeste Diagnose, da kommen auch nicht so viele Gefühle bei auf.

Wer dann offiziell für krank erklärt wurde erhält allerlei schöne Sachen: Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Hilfe, Unterstützung, Zuneigung. Da lohnt es sich gewaltig mächtig einen an der Waffel zu haben, denn nur dann kommt man in den Genuss dieser Privilegien und wenn’s eine schön harte Diagnose ist, dann hat man auch gleich noch die Konkurrenz hinter sich gelassen und den Therapeuten mehr für sich. Hübsche Sache.

„Ich bin zu gut um hier zu sein“


Genau das gleich funktioniert auch umgekehrt: Man kann auch besser als der Rest sein, indem man viel gesünder ist.

Eine junge Frau ist frisch in der Tagesklinik und erzählt jedem, der zuhört, dass sie ja eigentlich gar nicht hier sein sollte. Dafür geht es ihr viel zu gut. Aber der Chefarzt hatte Mitleid und hat sie hinten herum eingeschleust. Weil sie nämlich eine Essstörung hat, und das ganz schön schlimm ist. Wahre Geschichte. Beide Spiele auf einmal. Das geht.

Allen anderen einen Schritt voraus zu sein ist auch ein grandioser Weg, sich vom faden Durchschnitt ab zu heben. Ich lass mich hier nicht so hängen, ich will das wirklich und kämpfe mich hier richtig durch. Da bleibt der Rest im Staub zurück.

„Du kannst mir gar nichts sagen, ich hab‘ ein Trauma!“


Die klassische Opferrolle. Für einen Neurotiker auf dem Weg zur Genesung führt kein Weg an Kritik vorbei. Auch wenn uns großes Leid widerfahren ist, machen wir selbst doch allerhand Dinge, die man doch auch anders angehen und lösen könnte. Hört der Neurotiker gar nicht gerne. Sich selbst ändern kommt ja gar nicht in Frage. Wo sind wir denn hier?

Der effektivste Weg, jemand, der einen gerade für das eigene Verhalten angeht zum Schweigen zu bringen, ist, ihm oder ihr an den Kopf zu werfen, wie schlimm man es doch hatte. Das kann natürlich nicht jeder, denn dann wirkt es im Zweifel nur lächerlich. Nein, da muss schon harter Stoff her, da muss man schon ein knackiges Trauma weg haben, das auch jeder Mensch sofort als solches versteht. Vergewaltigung bietet sich an. Am besten von Verwandten. Da bohrt dann niemand mehr nach. Da hat man seine Ruhe.

Entscheidend ist dabei die Präsentation: Viele Menschen, die schlimmes erlebt haben gehen auch dementsprechend damit um. Aber es gibt eben auch solche, denen es im Zweifel – also einer für sie bedrohlichen Situation – zu einem Werkzeug wird, sich andere vom Leib zu halten, in dem sie es ihnen ins Gesicht brüllen und erwarten, dass der andere sie nun endlich in Frieden lässt.

 

 

Irrwege auf buddhistischen Pfaden oder: Enlightenment in progress

Jeder Mensch will glücklich sein, niemand will leiden. So begann mein erster Meditationslehrer die Stunden, wenn wir uns Freitagsabend auf den weinroten Kissen einrichteten. Er erklärte uns, warum Meditation dafür sinnvoll sein mag. Und was in meinem Kopf passierte war: Wenn du hier gut meditierst , dann leidest du nicht mehr. Nie mehr traurig, keine Wut, nur noch Seligkeit. Hat der Buddha ja auch auf die Reihe gekriegt. Prima Sache.

Ich glaubte das lange. Sehr lange. Manchmal glaube ich es immer noch ein bisschen. Dabei ist die Sache sehr verstrickt, denn was eigentlich das Ziel der ganzen Sache ist, ist nicht klar. Zumindest nicht so ganz. Denn wenn man sich auf das Glück stürzt, lernt man sehr schnell, das der Buddhismus alles, was wir so gemeinhin als Glück auffassen doch in seinem tieferen Wesen leiden ist. (Das Stichwort sind die vier Wahrheiten).

Also nichts mit Glück? Alles Leiden? Was ist denn da noch mit der Erleuchtung? Das wäre doch ein prächtiges Ziel: Endlich erleuchtet sein und alles hinter sich gebracht haben. Dabei ist das Wort etwas unglücklich. Zum einen ist es ein Übersetzungsfehler, das tibetische Wort „Tschangschub“ (gesprochen, nicht geschrieben, aber ich will niemanden mit tibetischer Lautschrift langweilen und verwirren) bedeutet wörtlich Erwachen und auch wenn der Unterschied erst einmal marginal anmutet, steckt da doch so einiges darin.

Erleuchtung verführt einen dazu sich einzubilden, die Welt und man selbst mit ihr und in ihr würde sich verändern. Als wäre man dann ein transzendentes Wesen mit entsprechen Fähigkeiten (was man da im tibetischen Buddhismus nicht für tolle Sachen hört: Gedanken lesen, Zauberkräfte, manche erzählen sogar etwas vom Fliegen). Dann ist alles gut, dann hat man es geschafft. Nur was eigentlich, das bleibt irgendwie offen.

Der Begriff Erwachen ist da doch griffiger, denn er beschreibt besser, dass die Welt ganz sicher so bleibt, wie sie immer war. Es geht eher um das Erfassen von dem, was ist. Erleuchtung ist völlige Klarheit, um das Menschsein führt – fürchte ich – kein Weg vorbei.

Und ein Mensch zu sein kann eine dreckige Angelegenheit sein. Dazu gehört ein Körper, der je länger man ihn hat, allerhand neue Leiden präsentiert. Es ist für niemanden bequem, mehrmals am Tag zu essen und zu trinken, nur um alles am Laufen zu halten. Es wäre wirklich praktischer, wenn das nicht nötig wäre. Ist es aber. Genau wie Emotionen in ein Leben gehören, auch die unangenehmen, die wir manchmal doch gerne los wären.

Für mich wäre es das beste, ginge all das einfach weg. Keine Kopfschmerzen, keine Verspannungen, keine zwickenden Knie mehr. Der Bauch tut nicht mehr, die Müdigkeit geht mit der Dämmerung weil sie die Sonnenstrahlen nicht mag und der Hunger tut sich mit dem Appetit zusammen und vereinigen sich zu einer vagen Ahnung von Anregung, wenn dampfende Leckereien vor mir stehen, die einfach genossen werden können. Und natürlich wäre ich nicht mehr traurig, nichts brächte mich aus der Ruhe, ließe mich aufbrausen oder auch nur das sanfte Lächeln absetzten. Ein heiteres und unverwüstliches Gefühl von Glück würde durch meine Adern strömen und wer ganz genau hinschaut würde die Luft um mich herum dezent golden glänzen sehen.

Das all dem nicht so ist, dem bin ich mir schmerzhaft bewusst. (Die Schultern sind hart und die Lippen brennen und die Gedanken machen ohne hin, was sie wollen). Aber vielleicht könnte es ja so sein, wenn ich… das denke ich doch immer wieder noch. Vielleicht lockt da am Ende keine Erlösung. Vielleicht ist da nur Klarheit.






Es ist alles da

Jedes Jahr nehmen sich viele gute Vorsetzte mit ins neue Jahr. Mit edler Motivation möchten sie ihr Leben gesünder gestalten, mehr Sport treiben, sich reichhaltiger ernähren, ihrem Körper gutes tun. An dieser Gesinnung ist nichts auszusetzen, wir tun unserem schönen Körper im modernen Leben viele Dinge an, etwas Pflege hat es sich wohl verdient.

Aber gibt es nicht andere Baustellen, die ebenfalls unserer Aufmerksamkeit bedürfen? Glück ist keine Frage eines gesunden Körpers, sondern entspringt maßgeblich einem vergnügten Geist und einer starken Psyche. Doch wer kümmert sich schon ernsthaft darum?

Geraten wir in unseren Leben in zu großen Stress, erlauben wir uns ab und zu etwas Abstand und gönnen uns ein paar Wochen Urlaub im Jahr. Gibts da nicht noch mehr? Können wir da nicht mehr für unseren geplagten Geist tun? Oft kümmern wir uns um diesen Aspekt erst, wenn es lang zu spät ist und sich über Jahre ernste Krankheiten ausgebildet haben, die langer Behandlung bedürfen.

Und selbst das kostet uns Überwindung, denn trotz wirksamer Kampagnen der letzten Jahre ist Psychotherapie in unserer Leistungsgesellschaft als skurrile Schwäche verpönt. Dazu kommt, dass der Anfang oft schwer ist, weil Anlaufstellen unbekannt und Ärzte schwer zu erreichen sind. Dabei ist alles da. Deutschland ist das einzige Land, in dem Psychotherapie bezahlt wird, je nach Verfahren kann man sich über Jahre in liebevollen Händen betreut finden.

Das Angebot an Verfahren, Kursen, Coachings, Trainings und workshops zur geistigen Gesundheit war wohl niemals so groß wie heute. Anzeigen hängen an Ampelpfählen an Kreuzungen, liegen hinter Supermarktkassen aus oder werden auf hompages geschaltet. Es gibt genug, wir müssen es nur machen.

Alles komischer Quatsch? Hilft nicht, bringt nichts, kostet nur?

Berechtigte Überlegung. Stimmt nicht. Natürlich kommt es darauf an, was man sich aus dem reichhaltigen Blumenstrauß herauspickt und an wen man gelangt. Hier ist das eigene Gespür gefragt, mit wem fühle ich mich wohl und wo habe ich das Gefühl, das mir etwas weiter hilft. Menschen, die so etwas behaupten, haben meist noch nie ein Coaching oder ähnliches mitgemacht. Die hingegen, die ihre Erfahrungen gemacht haben sind meist ganz angetan, denn etwas hilfreiches springt meistens dabei heraus, deshalb macht man das ganze ja – etwas, das für beide Seiten gilt.

Die Renner der Achtsamkeitsbewegung führen noch immer das Feld: Yoga und Meditation – in allen Formen, Farben und Stilen. Dazu mischen sich immer mehr Verfahren, die fundierte psychologische Elemente einbauen wie MBSR oder MSC. Innerhalb von Wochen erlernt man in solchen Kursen Rüst- und Werkzeuge, die man zuhause weiterhin anwenden und umsetzten kann um den Herausforderungen des Lebens mit starkem Rückrad zu begegnen.

Speed-Selbstfindung ohne religiöse oder fernöstliche Einschläge gibt es bei einem Coach. Hier steht die eigene Orientierung im Mittelpunkt. Innerhalb von wenigen Sitzungen kann hier ausgegraben werden, was man eigentlich im Leben will und was so verschüttet unter Ansprüchen, Vergleichen und Vorstellungen anderer vergraben liegt.

Aber warum denn das alles?

Zuviel Aufwand? Zuviel Geld? Doch besser ein wenig Sport und ein neues Kleid. Wir stecken eine ganze Menge Zeit und Geld in unsere Körper. Wir denken viel darüber nach, was wir in ihn hinein tun, in was wir ihn hineinstecken und was andere davon halten. Wenn wir auch nur einen Bruchteil davon unserem Geist widmen würden, erginge es uns im Leben gewaltig anders.
Und das lohnt sich. Denn Menschen, die sanfter mit sich und und anderen umgehen, weil sie mitfühlend sind, leben länger und glücklicher. Stress und Ärger wirken – besonders wenn man ihnen über längere Zeit ausgesetzt ist – negativ auf die Gesundheit und die Lebensqualität allgemein.

Vielleicht ist es also nicht so essentiell was es mit den Fettsäuren in Walnüssen auf sich hat, sondern wie entspannt der Geist gerade ist. Und da kann man was tun. Wir sind nicht chronisch gestresst und einsam auf diese Welt gekommen. Wer sagt denn eigentlich, dass immer alles schwierig sein muss? Da geht doch noch was!

Es ist alles da. Nur müssen wir unsere Möglichkeiten auch nutzen, denn eine Bikinifigur hält doch nur einen Sommer und verhilft doch kaum zu Glück und Frieden. Warum nicht mehr an diesem Projekt arbeiten? Warum nicht mehr tun, für Zufriedenheit und seelische Stärke?
Wir sind keine Spielbälle externer Grausamkeiten, die uns um die Ohren gehauen werden. Wir sind reife Menschen, in der Lage unsere Zukunft in die Hand zu nehmen und unser bestmöglichstes Selbst zu sein.





Warum ist das Leben eigentlich manchmal so beschissen? Wieso muss ich soviel leiden?

Berechtige Frage. Andere Menschen tun das ja schließlich auch nicht. Oder. ODER?? Ein Pfarrer hat einmal auf die Frage, was er in seinem Beruf gelernt hätte geantwortet: Das Menschen viel mehr leiden, als er dachte. Alle leiden. Manche mehr, manche weniger und die meisten von uns verstecken es gnadenlos grandios.
Warum ist das Leben eigentlich manchmal so beschissen? Wieso muss ich soviel leiden? weiterlesen