Das Drama um Sogyal

Sogyal Rinpoche galt als ein großer Lehrer im tibetischen Buddhismus. Er schrieb das tibetische Totenbuch und stand einer großen Gemeinschaft mit vielen tausend Schülern und Ordinierten vor. Internationale Sache. Einige dieser Gefolgsleute haben nun einen Brief veröffentlicht, der ihn dazu veranlasst hat, seinen Titel abzugeben und sich aus dem Leben als Lehrer zurück zu ziehen.

Sogyal heißt also jetzt wieder Lakar (sein Familienname) und nicht mehr Rinpoche (respektvolle Anrede für einen liebenswürdigen Lehrer, wörtlich etwa „kostbare Person“). Die Anschuldigungen, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben sind schwer und allerhand wichtige Leute in der Szene – darunter der Dalai Lama – haben Kommentare zu der Angelegenheit abgegeben.

Es geht also um ein bisschen mehr, als nur ein kleines Drama um eine Person. Hier passiert etwas, was alle paar Jahre mal wieder eine Glaubensgemeinschaft erschüttert: Ein sicher geglaubtes Fundament entpuppt sich als bröselige Täuschung mit verheerenden Folgen für viele Unschuldige. Schauen wir uns also an, was da passiert ist. Ganz ruhig der Reihe nach.

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Der Weg in die Zukunft: Ich kandidiere!

Hier sind Dinge, die ich tun würde, wenn ich dieses Land regieren würde:

Ich würde keinen Menschen weg schicken. Menschen, die ihre Heimat verlassen und um die halbe Erde flüchten mit einem Beutel voller Hab und Gut, sind keine Menschen vor denen man Angst haben muss, sondern Menschen, denen man helfen muss. Jeder von ihnen darf hier bleiben. Ich schicke niemanden weg oder sogar zurück.

Und wo wir schon dabei sind: Natürlich würde ich mich darum kümmern, dass sie leicht in ein Leben hier hinein finden, in dem sie die Sprache lernen, einen Arbeitsplatz finden und so fort. Integration ist wichtig, geht aber so wenig Menschen an, dass ich keinen Grund sehe, das Thema dermaßen platt zu treten, dass niemand mehr über etwas anderes spricht. Es gibt doch so viel anderes, was alle betrifft.
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Den Orbit verlassen: Was die Raketengleichung mit Psychoanalyse zu tun hat

Psychoanalyse ist eine Methode, Menschen zu helfen, die in ihrem Leben unter allerhand Zeugs leiden. Genau dieses Zeugs steht dabei gar nicht unbedingt im Mittelpunkt, sondern der Mensch als ganzes, was ihn beschäftigt, wie er denkt, was ihn bewegt.

Die Analyse ist einer der erfolgreichsten Therapieformen überhaupt, WENN sie über lange Zeit geführt wird. Konkret gibt eine Studie hier einen Zeitraum von mindestens 18 Monaten an.
Nach dieser Zeit setzen die Post-Behandlungs-Effekte ein, die vermutlich dafür verantwortlich ist, dass eine Analyse nachhaltiger wirkt als andere Therapiemethoden.
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Ilse wartet auf Herrn Makarell

Es war noch vor der verabredeten Zeit, da setzte sich Ilse in ihren Sessel. Sie erwartete Besuch: Herr Makarell hatte sich angesagt. Daher zupfte sie nun etwas an den Ärmeln ihrer Bluse und richtete sie Fransen am Saum des Teppichs, die gute Frau war etwas nervös.

Das Hausmädchen erkundigte sich, für wann sie den Tee bereiten sollte. Für den Nachtmittag hätte sich Herr Makarell angesagt, Ilse erwartete ihn nun jede Minute. Ach, aber sie solle das mit dem Teewasser noch lassen, man wisse ja nicht, ob der Herr nicht Kaffee bevorzuge. Das Hausmädchen nickte. Ob sie der Dame in der Zwischenzeit etwas bringen könnte?
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Die Fische im Eimer

Der Wind zwitschert in den Zweigen und der Rauch krault den Schornstein. Wir stehen an einem See und jemand ist auf den Gedanken gekommen zu angeln. Ich muss behilflich sein, der Haken hat sich in einem Schal im Gepäck verfangen. Gar nicht so einfach, ihn da wieder heraus zu bekommen, hinter der Spitze sitzt noch ein Widerhaken. Ich muss daran denken, wo das Metall gleich einschlagen wird.

Immerhin wird sie wohl keinen Erfolg haben. Angeln, das dauert doch Stunden, nie im Leben baumelt da gleich ein Fisch an der Strippe und kaum ist der Gedanke auch nur ausgedacht, da baumelt der erste Fisch an der Strippe. Fast zärtlich fäst sie den kleinen Leib, drückt den Kopf von dem spitzen Harken los und schmeißt den zappelnden Körper in einen grauen, flachen Eimer.

Na das war doch jetzt Zufall – und der Gedanke hat sich noch nicht recht zu Ende gedacht, da sind die Fische zu viert. Eher zu dritt, denn der Vierte ist eine Leiche, die Bauch nach oben dahin treibt während die übrigen drei mit den Nasen gegen die Wand stupsen und sich winden, was das zeug hält. Einer schafft den Sprung auf den Rasen. Und wird flux zurück verfrachtet. Mittlerweile stehen drei Menschen am Steg und halten die langen Angeln ins Wasser.
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Das Problem mit dem Universitätsstudium

An der Uni gibt es zwei verschiedene Sorten von Leuten: Die, die nicht so genau wissen, was sie später mal machen wollen und die, die ganz genau wissen, was sie später mal machen wollen. Die erste Gruppe hat die überwältigende Mehrheit.

Wie soll man denn auch in jungen Jahren wissen, was man von einem Leben haben möchte, das man noch gar nicht lebt, weil man eben jung ist. Daher braucht man Zeit, muss sich und das Leben probieren und vielleicht kommt unterwegs eine Meinung, was einem behagt, und was nicht.
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Voll das freche Leben

Ich kennen einen Mann – und ich kann es nicht mit Sicherheit sagen aber ich glaube, er hat eine liebevolle Familie, mit denen er enge Bande hat sowie einen Beruf, bei dem er seiner Bestimmung nachgeht, die sein Leben mit Sinn erfüllt und an dem er dabei satt verdient. Schon eine kleine Frechheit, irgendwie.

Wer würde nicht gerne so leben? Und wer tut es eigentlich? Familie – Berufung – Geld, das ist ein Dreieck aus Eingeständnissen, Kompromissen und Anstrengungen. Wer hat denn da alles drei? Mindestens eines hätte jeder gerne und genau eines ist etwas, auf das man sich als Ziel konzentrieren kann.
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Freudianer und Freudisten

In der Psychoanalyse ist das Gespräch mit dem Therapeuten die Medizin, die das Leiden des Patienten lindert. Und wie bei jedem Medikament gibt es Risiken und Nebenwirkungen – in der Analyse mittlerweile sogar mehrere Aufsatzsammlungen mit dem gleichnamigen Titel. Scheint also gar nicht so einfach zu sein, dieses Gespräch, was Therapeut und Patient da führen.

Dabei sind Therapeuten doch so großartig ausgebildet. Nur wer tolle Noten aus der Schule mitbringt, darf überhaupt Medizin oder Psychologie studieren und dann geht’s erst richtig los: Ewige Ausbildung mit Selbsterfahrung und Supervision, bis man endlich auf einen Patienten losgelassen wird. Bis dahin wurde einem alles ins Hirn eingeschleift, was man zu tun und zu lassen hat, damit es dem Patienten gut geht.
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Erfahrungsbericht Wake up Retreat am EIAB

Im kuschelig beleuchteten Meditationsraum sitze ich mit etwa fünfzig anderen jungen Menschen im Alter irgendwo zwischen zwanzig und vierzig auf braunen Meditationskissen und singe Lieder. Das erste ist eines meiner Lieblingslieder, das ich bei meinem ersten Aufenthalt vor einem Jahr kennen gelernt habe. Guter Start.

Danach: Eine Runde, jeder erzählt, was ihn hierher auf besagte braune Kissen bewegt hat, am Anfang und Ende verneigt man sich um klar zu machen, wann man bereit und fertig ist.
„Like all of us, I have to live in this crazy world and I think I just have to deal with it.“ sagt eine junge Australierin aus Berlin.
„Ich bin so unglaublich froh hier zu sein!“ sagt eine andere (und hält dabei ihre Hand innig auf ihrer Brust) „Es fühlt sich so gut an, mit euch hier. Ich habe schon jetzt das Gefühl richtig angekommen zu sein.“
Toll. Ich nicht. Und das sollte auch für eine lange Zeit mein Gefühl bleiben. Aber ich will nicht vorgreifen. Der Reihe nach.
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Der Tag, an dem ich beinahe zu einem Kaffee eingeladen wurde

Ich hatte Hunger. Das kommt vor. Glücklicherweise hat nach einer sommerlichen Urlaubspause endlich wieder das kleine Café in Uni-Nähe mit den herrlichen Baguettes mit Chili-Remoulade geöffnet, denn Wochen vorher stand ich dort einmal vor verschlossenen Türen und war nun um so froher auf dem Weg zur Bibliothek doch geschmolzenen Käse zwischen knusperigem Brot zu bekommen.

Ich betrete also das Café. Zu diesem Zeitpunkt ist gerade niemand da und ich recke meinen langen Hals (wofür hat man ihn denn schließlich?) die kleine Treppe hinunter, ob sich wohl der Besitzer ausmachen lässt. Ich hatte Hunger (wie gesagt). Nichts zu sehen und in diesem Moment betritt hinter mir ein Mann den Raum. Lautstark. Ruft irgendeine Form der Begrüßung und etwas über Berlin.
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