Die Fische im Eimer

Der Wind zwitschert in den Zweigen und der Rauch krault den Schornstein. Wir stehen an einem See und jemand ist auf den Gedanken gekommen zu angeln. Ich muss behilflich sein, der Haken hat sich in einem Schal im Gepäck verfangen. Gar nicht so einfach, ihn da wieder heraus zu bekommen, hinter der Spitze sitzt noch ein Widerhaken. Ich muss daran denken, wo das Metall gleich einschlagen wird.

Immerhin wird sie wohl keinen Erfolg haben. Angeln, das dauert doch Stunden, nie im Leben baumelt da gleich ein Fisch an der Strippe und kaum ist der Gedanke auch nur ausgedacht, da baumelt der erste Fisch an der Strippe. Fast zärtlich fäst sie den kleinen Leib, drückt den Kopf von dem spitzen Harken los und schmeißt den zappelnden Körper in einen grauen, flachen Eimer.

Na das war doch jetzt Zufall – und der Gedanke hat sich noch nicht recht zu Ende gedacht, da sind die Fische zu viert. Eher zu dritt, denn der Vierte ist eine Leiche, die Bauch nach oben dahin treibt während die übrigen drei mit den Nasen gegen die Wand stupsen und sich winden, was das zeug hält. Einer schafft den Sprung auf den Rasen. Und wird flux zurück verfrachtet. Mittlerweile stehen drei Menschen am Steg und halten die langen Angeln ins Wasser.
Die Fische im Eimer weiterlesen

Das Problem mit dem Universitätsstudium

An der Uni gibt es zwei verschiedene Sorten von Leuten: Die, die nicht so genau wissen, was sie später mal machen wollen und die, die ganz genau wissen, was sie später mal machen wollen. Die erste Gruppe hat die überwältigende Mehrheit.

Wie soll man denn auch in jungen Jahren wissen, was man von einem Leben haben möchte, das man noch gar nicht lebt, weil man eben jung ist. Daher braucht man Zeit, muss sich und das Leben probieren und vielleicht kommt unterwegs eine Meinung, was einem behagt, und was nicht.
Das Problem mit dem Universitätsstudium weiterlesen

Voll das freche Leben

Ich kennen einen Mann – und ich kann es nicht mit Sicherheit sagen aber ich glaube, er hat eine liebevolle Familie, mit denen er enge Bande hat sowie einen Beruf, bei dem er seiner Bestimmung nachgeht, die sein Leben mit Sinn erfüllt und an dem er dabei satt verdient. Schon eine kleine Frechheit, irgendwie.

Wer würde nicht gerne so leben? Und wer tut es eigentlich? Familie – Berufung – Geld, das ist ein Dreieck aus Eingeständnissen, Kompromissen und Anstrengungen. Wer hat denn da alles drei? Mindestens eines hätte jeder gerne und genau eines ist etwas, auf das man sich als Ziel konzentrieren kann.
Voll das freche Leben weiterlesen

Freudianer und Freudisten

In der Psychoanalyse ist das Gespräch mit dem Therapeuten die Medizin, die das Leiden des Patienten lindert. Und wie bei jedem Medikament gibt es Risiken und Nebenwirkungen – in der Analyse mittlerweile sogar mehrere Aufsatzsammlungen mit dem gleichnamigen Titel. Scheint also gar nicht so einfach zu sein, dieses Gespräch, was Therapeut und Patient da führen.

Dabei sind Therapeuten doch so großartig ausgebildet. Nur wer tolle Noten aus der Schule mitbringt, darf überhaupt Medizin oder Psychologie studieren und dann geht’s erst richtig los: Ewige Ausbildung mit Selbsterfahrung und Supervision, bis man endlich auf einen Patienten losgelassen wird. Bis dahin wurde einem alles ins Hirn eingeschleift, was man zu tun und zu lassen hat, damit es dem Patienten gut geht.
Freudianer und Freudisten weiterlesen

Erfahrungsbericht Wake up Retreat am EIAB

Im kuschelig beleuchteten Meditationsraum sitze ich mit etwa fünfzig anderen jungen Menschen im Alter irgendwo zwischen zwanzig und vierzig auf braunen Meditationskissen und singe Lieder. Das erste ist eines meiner Lieblingslieder, das ich bei meinem ersten Aufenthalt vor einem Jahr kennen gelernt habe. Guter Start.

Danach: Eine Runde, jeder erzählt, was ihn hierher auf besagte braune Kissen bewegt hat, am Anfang und Ende verneigt man sich um klar zu machen, wann man bereit und fertig ist.
„Like all of us, I have to live in this crazy world and I think I just have to deal with it.“ sagt eine junge Australierin aus Berlin.
„Ich bin so unglaublich froh hier zu sein!“ sagt eine andere (und hält dabei ihre Hand innig auf ihrer Brust) „Es fühlt sich so gut an, mit euch hier. Ich habe schon jetzt das Gefühl richtig angekommen zu sein.“
Toll. Ich nicht. Und das sollte auch für eine lange Zeit mein Gefühl bleiben. Aber ich will nicht vorgreifen. Der Reihe nach.
Erfahrungsbericht Wake up Retreat am EIAB weiterlesen

Aufrichtigkeit

Ein armer Mann zog durch die Lande, ging von Haus zu Haus und bat um etwas Geld. Er verkaufte selbstgebastelte Grußkarten mit keinen Kätzchen darauf. Eines Tages kam er in ein kleines Dorf und läutete an der Pforte eines großen Hauses in dem ein reicher Mann wohnte. Der Hausherr öffnete, hörte sich kurz die kleine Ansprache des armen Mannes an, schüttelte den Kopf beim Anblick der Kätzchen-Karten und wollte sie Tür schon wieder schließen, da viel ihm etwas ein.

„Komm doch kurz herein, ich habe ein Anliegen an dich.“ Sagte er zu dem armen Mann. Der wunderte sich etwas, war aber angetan einmal in die edlen Hallen zu treten und wischte sich ganz ordnungsgemäß die Schuhe ab.

„Sieh her, ich habe diese Nachbarin. Sie ist alt und hässlich und krank und morgen stirbt sie ohnehin. Sie schreit die ganze Zeit, wenn wir kurz inne halten, können wir es wohl hören.“ Beide Männer schwiegen kurz und in der Tat ließ sich ein plärrendes Klagen durch die Wände hören. Der arme Mann staunte.

„Wie ich also sagte, es ist ganz grausig mit ihr und sie raubt mir jeden Schlaf. Ich gebe dir fünf hübsche lila Scheine, wenn du hinüber gehst und sie jetzt gleich totschlägst.“

Der arme Mann staunte weiter. Er beschloss sich die Sache einmal an zu sehen, nahm das Geld und ging hinüber zu dem Haus neben an. Auf sein Leuten öffnete niemand doch er fand die Tür nicht verschlossen und folgte dem kläglichen Gewimmer und Gebrüll in den ersten Stock. Dort lag eine alte, hässliche und kranke Frau auf einem Lager auf dem sie vermutlich in der nächsten Nacht sterben würde.

„Warum weinst und schreist du?“ fragte der arme Mann.
„Siehst du denn nicht, dass ich alt und hässlich und krank bin?!“ kreischte die Frau.
„Doch doch, das sehe ich schon.“
„Na also, ich sterbe hier, und niemand ist da und bald ist es zu Ende und ich bin ganz allein.“
Da machte es sich der arme Mann neben ihrem Lager bequem und zog die selbstgemachten Karten und seiner Jackentasche.
„Dein Nachbar schickt mich mit dieser Karte hier her. Du magst wohl Kätzchen?“
Und die Frau wurde mit einem Mal ganz still. Sie nahm die Karte, betrachtete das Bild (Das Kätzchen war mit einem glitzernden Faden auf das Papier gestickt) und aus ihren Augenwinkeln kullerte ein Tränchen.

Der arme Mann saß dort eine Weile, hielt ihre Hand und als sie in der Nacht starb brachte er sie in den Garten und den alten Apfelbaum. Kaum war die Sonne wieder aufgegangen, klopfte er erneut bei dem reichen Mann an.
„Die Frau ist tot, aber es hat noch einiges gedauert und war überhaupt recht anstrengend und verscharrt habe ich sie auch. Ich will noch mehr von den lila Scheinen.“
„Oh natürlich! Da – nimm, dreimal so viel sollst du haben, so gut wie heute Nacht habe ich schon lange nicht mehr geschlafen.“ rief der reiche Mann und überreichte eine weitere beträchtliche Summe Geld.

Dann ging der arme Mann pfeifend seiner Wege.






Rettet das Hirn: Ein Appell.

Man stelle sich nur mal vor – ein gewöhnlicher Dialog auf der Straße:

„Guten Tag, ich kenne mich ein wenig mit Medizin aus und ich bin etwas besorgt, denn ich könnte mir vorstellen, dass es Ihnen nicht gut geht. Haben Sie darüber nachgedacht, einen Internisten aufzusuchen? Er könnte Ihnen da vielleicht weiterhelfen.“

Und der Mensch ist besorgt und dankbar. Ganz im Gegensatz zu:

„Guten Tag, ich kenne mich ein wenig mit Medizin aus und ich bin etwas besorgt, denn ich könnte mir vorstellen, dass es Ihnen nicht gut geht. Haben Sie darüber nachgedacht, einen Psychiater aufzusuchen? Er könnte Ihnen da vielleicht weiterhelfen.“

Und die Leute drehen durch.

Menschen identifizieren sich stark mit ihrem Denken. Wenn damit etwas nicht stimmt, sind sie als Person kaputt. Das will man nicht und hört es ungern und reagiert entsprechend. Schade eigentlich, denn das Gehirn ist eines unserer wichtigsten Organe und es kann genau so erkranken wie jeder andere Teil unseres Körpers auch. Auch ein Hirn brauch Pflege und von Zeit zu Zeit eben auch ärztliche.






Krieg & Frieden, Stand 2017

Todestrieb – PART I Eine friedliche Welt?

Unglaublich aber wahr: Die Welt wird immer friedlicher.

Ja, die Aussage hat es in sich, denn da möchte man doch gleich widersprechen. Überall toben Kriege, orangene Leute auf der anderen Seite des Globus schmeißen Bomben drauf und überhaupt kann man das doch so gar nicht sagen.

Doch kann man. Und das ist auch keine wilde Behauptung. Friedensforscher sagten bereits vor Jahren, dass es noch niemals so friedlich zugegangen sei (obwohl reichlich Arbeit ins Haus steht). An dieser Stelle ist es angebracht zu fragen: Warum zur Hölle glauben wir das nicht?

Die Welt wie sie uns erscheint

Da kommt einem gleich der Grund in den Sinn, der immer wieder platt getreten wird. Wir sehen von der Welt, was Medien uns präsentieren.
Krieg & Frieden, Stand 2017 weiterlesen

Todestrieb – PART II Warum denn dann überhaupt Krieg?

Jetzt wird es Zeit für schöne, wissenschaftliche Fakten. Das die Welt besser wird, war ja bislang eine anmaßende Behauptung. Mal sehen, was dahinter steckt.

Schauen wir mal auf die Kriege: Seit Jahren sehen wir praktisch nichts anderes in den Nachrichten und es fällt schwer zu glauben, dass es davon heute weniger geben sollte als früher. Is aber so. Hier das Ganze in Grafiken: Todestrieb – PART II Warum denn dann überhaupt Krieg? weiterlesen