Chaos nach Katastrophen

Ende August. USA Ostküste. Die verheerendste Naturkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten trifft New Orleans: Hurrikan Katrina. Nach dem Unglück berichten Medien aus aller Welt, von Verwüstung, Schrecken und Chaos. In ihrer Verzweiflung plündern Menschen Geschäfte, um an trockene Kleidung und Nahrung zu kommen, andere versuchen ihnen mit Maschienengewehren in der Hand Einhalt zu gebieten und den Anschein von öffentlicher Ordnung aufrecht zu erhalten.

Aber stimmt das so?

Wissenschaftler konnten nach Jahren ausführlicher Studien zeigen: Nach Katastrophen verhalten sich die meisten Menschen pro-sozial. Das Bild von Chaos und Gesetzeslosigkeit wird von Medien vermittelt und entspricht nicht der realen Situation.

 

DIE HELFER

Besonders beeindruckend sind dabei die unglaublichen Hilfeleistungen, die von Unternehmen, Einrichtungen und Gemeinschaften vollbracht wurden, um der Katastrophe her zu werden, die keinerlei Erwähnung finden.

Hotels großer internationaler Ketten versorgten über Wochen und Monate tausende Anwohner, Reisende, die die Gegend nicht mehr rechtzeitig verlassen konnten und Angehörige ihrer Angestellten. In Krankenhäusern herrschten Bedingungen, die weit über jeden Notfallplan hinaus gingen, und während hunderte von Patienten auf die Evakuierung mit Helikoptern in Notunterkünfte und andere Kliniken warteten, fächelte ihnen Personal mit selbstgebauten Hilfsmitteln Luft zu, um die Leidenden in der sengenden Hitze (Strom und Kühlung waren ausgefallen) am Leben zu erhalten.

Niemand berichtete von diesen tapferen Pflegern, Ärzten und Krankenschwestern, die weit jenseits ihrer Kompetenzen Großartiges leisteten. In den Nachrichten: Bildern von Plünderungen.

Aber was verstehen wir denn eigentlich unter Plünderungen?

In New Orleans formte sich eine Gruppe aus elf Nachbarn. Sie brachten ihre Familien in Sicherheit, blieben aber selbst in der Gegend auf etwas höher gelegenem Gebiet und begannen mit steigendem Wasser ihre Nachbarn mit Booten aus den Fluten zu retten. Sie schliefen auf dem Boden. Bis andere ihnen Zelte brachten. Trinkwasser und Essen nahmen sie sich aus verlassenen Häusern – daher nannten sie sich die Robin-Hood-Plünderer.

Obwohl rechtlich eine Straftat – haben wir es mit unvergleichlich positiven Verhalten zu tun! Kann das eine Plünderung im eigentlichen Sinne sein?

 

DIE PLÜNDERER

Eine Studie nach der anderen hat gezeigt, dass es in der westlichen Welt nach Katastrophen und Desastern kaum Plünderungen gibt. Wenn überhaupt geschieht es im geheimen (nicht im großen Maßstab vor laufenden Nachrichtenkameras), wird von der sozialen Gemeinschaft zutiefst verachtet (und nicht etwa aufgegriffen und nachgemacht) und entsteht meist nur ganz spontan aus einer bestimmten Situation heraus (und ist damit nicht der Normalfall).

 

DIE MEDIEN

Wenn wir uns auf das falsche Bild verlassen, dass von den Medien in solchen Situationen gezeichnet wird, kann das verheerende Auswirkungen haben.

Eine andere Gemeinschaft aus (weißen) Nachbarn schlossen sich in New Orleans zusammen um sich schwer bewaffnet zu verschanzen, denn sie hatten im Radio von Banden aus jungen schwarzen Männern gehört, die raubend durch die Straßen zögen. Andere fürchteten ebenfalls die Gefahr und orderten einen Hubschrauber mit Söldnern an, um sich zu schützen.

Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Hurrican Katrina war eine Katastrophe von weit größerem Ausmaß als jeder erwartet hatte. Die meisten Menschen wuchsen über alles bekannte Verhalten hinaus und half wo sie nur konnten. Das kriminelle Chaos nach Katastrophen ist ein Mythos. Medien verkaufen es uns.






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