Wie funktionieren Gebete im Buddhismus?

Beten Buddhisten eigentlich? Und wenn ja zu wem?

Der Dalai Lama nennt den Buddhismus gerne eine arme Religion. Der Buddhisten an sich hat nämlich weder eine Seele noch einen Gott. Armer Buddhist. Der Dalai Lama kichert bei dieser Erklärung gern vergnügt.

Das kann sehr verwirrend sein, denn trabt der motivierte Anfänger in ein traditionelles Zentrum oder ein buddhistisches Kloster, findet er da zwar erwartungsgemäß reichliche Meditationskissen aber kaum hat man es sich gemütlich gemacht, legen alle um einen herum die Hände zusammen und beginnen Ferse und Gebete zu rezitieren.

Was ist denn da los?!

Der gemeine Buddhist mag durchaus von Zeit zu Zeit beten. Wunschgebete nennen sie das. Da der Buddhismus tatsächlich keinen Gott kennt (Buddha war zwar ne coole Sau aber leider nicht allmächtig, was man von einem klassischen Gott z.B. im Christentum durchaus erwartet) richtet man sie auch nicht an eine konkrete Person, sondern drückt eher allgemein seinen Wunsch aus.
Also statt „Lieber Gott, hier spricht Anna. Bitte mach, dass…“ ist es ein „Mögen alle, denen es schlecht geht…“.

Da nun eben kein Gott da ist, landet das ganze auch nicht als Handlungs-Antrag bei einer göttlichen Schaltzentrale sondern ist eher eine Stilmittel, im eigenen Geist Mitgefühl zu üben. Wenn man anderen Menschen gutes wünscht, ändert das etwas bei einem selbst. Und das wiederum hilft dann auch tatsächlich anderen.

Zuflucht & Widmung

Neben den Wunschgebeten gibt es im tibetischen Buddhismus auch noch zwei andere wichtige Teile: Die Zuflucht und die Widmung. Zuflucht ist eine Art Glaubensbekenntnis und im wesentlichen eine inneres Bekenntnis, dass man sich selbst als Buddhist sieht. Praktisch werden dafür am Anfang von jeder Dharma-Einheit (also Meditationssitzung oder Unterweisung etc.) ein Paar Zeilen rezitiert, die in jeder Tradition mehr oder weniger gleich sind. Ich bin Buddhist, weil ich das super finde, was so Buddhisten machen und zuversichtlich bin, dass das mir und anderen gut tut. Nur eben etwas formaler.

Explizites An-andere-denken ist auch zum Abschluss angesagt: da wird gewidmet. Der Buddhist glaubt, das jede Art und Weise, sich mit dem Dharma auseinander zu setzen der Welt und ihren Bewohnern insbesondere hilft. Daher bekräftigt man am Ende, dass das, was man getan hat, anderen und auch einem selbst weiterhelfen möge. Hier gibt es die üblichen klassische Texte, aber auch modernere, griffige.

Mantra

Das ganze ist nicht mit dem klassischen Mantra zu verwechseln. Mantren sind (oft kurze) Sprüche, bei denen der Klang die Bedeutung unterstützt. Daher belieben sie auch in der Originalsprache Sanskrit und werden nicht übersetzt, ganz im Gegensatz zu den Gebeten, die bevorzugt in der eigenen Muttersprache gesprochen werden, damit man maximal viel davon versteht. Allerdings geht manchmal mit der Übersetzung auch die Poesie verloren, wer also der Fremdsprachen mächtig ist, kann auch gerne mal auf Englisch rezitieren.

Hier bedient sich insbesondere der tibetische Buddhist gerne der Tricks: Gebetsmühlen nehmen einem etwas die Arbeit. Auf den Metalltrommeln sind Mantren aufgestanzt, die in die Welt hinaus getragen werden, wenn sie gedreht werden. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch die Gebetsfahnen (im Titelbild zu sehen). Der Wind nimmt die aufgedruckten Gebete mit sich und trägt sie weiter, als jede Stimme klingen würde. Praktische Sache.

Hier geht es zu den drei schönsten Gebeten des Buddhismus.

Noch mehr Basics? Wie funktioniert eigentlich Widergeburt?






4 Gedanken zu „Wie funktionieren Gebete im Buddhismus?“

    1. Gute Frage! Manche gar nicht, andere den ganzen Tag. Manche halten es ähnlich wie Christen und beten vor den Mahlzeiten. Es scheint ganz von der individuellen Praxis abzuhengen…

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