Sind Pornos schlecht für mich?

Niemals zuvor war Pornografie so präsent und leicht zugänglich wie heute. Das Internet macht’s möglich. Alles ist da, manches legal, manches kostenlos, manches nicht. Aber da ist es trotzdem. Mit nur wenigen Klicks erreicht man alles, was man sehen möchte oder von dem man gar nicht wusste, dass es existiert.

Manche Leute finden das nicht gut. Sie sagen, dass Pornografie etwas schlechtes ist und irgendwie schlimm – was genau sie da meinen sagen sie meist nicht – und hat mit ihnen nichts zu tun. Ich habe da jemanden bestimmtes im Sinn und ich bin mir recht sicher, dass diese Frau, die damals ihre Nase über den Playboy rümpfte, noch nie Pornos gesehen hat. Trotzdem findet sie so etwas des Teufels.

Andere Leute konsumieren regelmäßig Pornos. Was und wie viel ist unterschiedlich. Für einige ist es ein entspannter Zeitvertreib an freien Abenden um runter zu kommen. Für andere ist es ihr „Hobby“, dem sie jeden Tag (oder besser jeder Nacht) viel Lebenszeit widmen.

Damit sind wir an einem Punkt, an dem ich loswerden muss – bevor es dann richtig los geht, dass es mir hier nicht um meine Meinung geht. Pornographie ist ein Thema, das mit viel Kontroverse, Moral, Ethik, Zeitgeist, Geschmack und überhaupt aller Art Ansichten behaftet ist. Gerade deshalb ist es ja so wichtig sich damit auseinander zu setzen. Denn auch man sie nicht oder nur wenig selbst konsumiert, haben sie das Gehirn der Menschen um uns herum flach gelegt und dringen dadurch auch in unser Leben.

Hier geht es nicht um mein persönliches Urteil. Alles was hier steht sind Fakten und persönliche Eindrücke. Ich möchte nicht erzählen, was ich richtig oder falsch finde, es geht mir hier gerade nur darum, was danach und dadurch passiert. In dieser Welt, in der man immer und überall an alles herankommt was die Pornoindustrie zu bieten hat, macht es Sinn über mögliche Auswirkungen nachzudenken.

Was muss ich über Pornografie wissen?

Das erste, was man wissen muss: Man braucht kein Geld ausgeben. Es gibt alles kostenlos. ALLES. Auch hochwertige Filme mit zertifizierten Schauspielern. In jedem Genre, dass man sich nur denken kann.

Das zweite, was man wissen muss: Pornos machen süchtig. Vielleicht nicht gleich der erste. Wie überall macht die Menge das Gift, aber das Suchtpotential ist hoch.

Das dritte, was man wissen muss: Man wird auf Dinge stoßen, die man nicht sehen will. Besonders die großen Portale bieten ein breites Spektrum an und irgendwann landet man bei einem Filmchen, in dem Leute Sachen miteinander tun, die man nicht sehen will. Und es ist fast unmöglich weg zu sehen.

Wie Pornos unser Gehirn verändern

Alles, was man in einem Porno sieht hat einen Einfluss auf uns. Wir sind evolutionär darauf programmiert nackte Körper und sexuelle Handlungen als anziehend zu empfinden. Die Biologie hat uns voll im Griff. Deshalb küssen sich ja auch attraktive junge Menschen auf Werbeplakaten, die eine Limonade verkaufen. Wenn wir also Pornos sehen, erregt uns das. Soweit so gut. Dafür schauen wir sie ja schließlich.

Leider nimmt der Effekt immer weiter ab. Was wir einmal gesehen haben, wird uns beim nächsten Mal weniger erregen. Wer schaut schon jeden Tag auf’s neue das gleiche Video? Nein, wir wollen dann gerne etwas neues haben. Und gerne etwas, das aufregender ist als das, was wir beim letzten Mal gesehen haben. Und da ist es eigentlich auch schon passiert. Wir sind süchtig. Schwer zu glauben, aber wahr.

Warum machen Pornos uns süchtig?

Vereinfacht gesagt wiederholt man bei einer Sucht das gleiche Verhalten, durch das wir uns gut fühlen. Das Gehirn schüttet dabei das Hormon Dopamin aus. Dieser Botenstoff verschafft uns die angenehmen Gefühle und je mehr davon in unserem Blut schwimmt, desto besser fühlen wir uns.
Um den gleichen Effekt zu erzielen wiederholen wir unser Verhalten, damit auch beim nächsten Mal unsere Blutbahnen mit Dopamin geflutet werden und wir uns wieder gut fühlen. Allerdings sinkt jedes Mal die Reizschwelle, wir brauchen mehr. Das heißt neue und stärkere Reize.
Das gilt allgemein für jede Sucht. Ob wir Rauchen, Hungern oder eben Pornos schauen. Dabei verändert sich unser Gehirn auf bestimmte Weise. Hier sind zwei Beispiele:

– Desensibilisierung: Je mehr Pornos man sieht, desto mehr muss man beim nächsten mal sehen, um den gleichen Effekt (die gleiche Dpamin-Ausschüttung) zu erreichen. Das Gehirn ist eben weniger empfindlich für die eintreffenden Reize (wie ja der Ausdruck schon andeutet).

– Hypofrontalität: Kompliziertes Wort. Es geht darum, dass wir unsere Impulse in Bezug auf Pornografie immer schlechter kontrollieren können. Der Frontallappen des Gehirns wird geschwächt, wenn es nicht genug Dopamin gibt. Praktisch heißt dass, dass es immer schwieriger wird, wieder auf zu hören. Wir können immer schlechter von Pornos lassen und es wird uns zunehmend egal, was das für Konsequenzen für uns und andere haben mag.

Wie Pornos unser Leben verändern

Bislang haben wir gesehen, wie leicht der Konsum von Pornos zu einer Sucht werden kann und wie das unser Gehirn verändert. Durch den Konsum von immer aufregenderen Videos (und das heißt oft auch einfach härteren Filmen) ändert sich auch unser Verhalten jenseits der Zeit vor dem Bildschirm.

Wer regelmäßig und oft Pornos schaut, bekommt eine veränderte Wahrnehmung auf die echte Welt und reagiert anders. Hier sind Männer stärker betroffen. Überhaupt ist der prozentuale Anteil von Männern unter Pornosüchtigen deutlich größer. Genaue Zahlen schwanken oft. Es ist schwierig auf dem Gebiet moderne Forschung zu betreiben, da es sich um einen relativ neuen Effekt handelt und beinahe jeder Mensch in irgendeiner Weise betroffen ist. Daher gibt es kaum Vergleichsgruppen.

Männer und Pornos

Fest steht, dass besonders Männer, die süchtig nach Pornos sind, unter vielen Einschränkungen und Symptomen leiden. Alle schränken das tägliche Leben ein und sind mitunter mit großem Scham behaftet. Männer, die viele Pornos sehen, bekommen Erektionsprobleme oder haben Schwierigkeiten, eine Erektion zu halten. Es erregt sie weniger, sich selbst zu befriedigen, wenn sie dabei keine Pornos sehen. Sie spüren weniger Lust und Erregung, werden niedergeschlagen und depressiv und erfahren grundsätzlich weniger Freude und Genuss im Leben. Sie entwickeln Gedankenmuster oder Fetische, die sie ohne Pornokonsum nicht haben oder hätten. (Die letzteren Beschwerden und Einschränkungen können vergleichbar natürlich auch bei Frauen auftreten).

All das beeinflusst nicht mehr nur sie selbst, sondern auch Menschen in ihrem Umfeld. Aber es geht ärger. Wer oft und regelmäßig Pornos schaut wird Schwierigkeiten bekommen, mit echten Menschen sexuelle Freude zu teilen. Ein pornosüchtiger Mann wird irgendwann reale Frauen weniger attraktiv finden, als die, die er online sieht. Aber auch, wenn man (vermeintlich) noch nicht zu viel schaut, verändern sich die Erwartungen, die man bei einer realen erotischen Begegnung hat. Damit meine ich, dass man Dinge von der anderen Person erwartet, die diese nicht tun mag. Dann überhäufen wir unsere Partner oder Partnerinnen mit etwas, dass gar nicht von uns kommt und ziehen sie in eine Welt, von der sie gar nichts wissen wollten. Damit haben wir ihnen geschadet.

Wenn andere Menschen zu Schaden kommen

Es gibt Vorgaben, an die man sich zu halten hat, wenn man einen Porno dreht. Dazu gehören Verträge für die Darsteller und Darstellerinnen. Nur in wenige der Pornos, die man online findet, arbeiten diese Darsteller. Überhaupt ist der Beruf Pornodarsteller oder Pornodarstellerin nicht geschützt, weshalb Leute vom Fach von Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen sprechen. Unter diesem Begriff fallen alle Beschäftigungen zusammen, bei denen Menschen ihr Geld mit Sex verdienen, also auch die ehemals klassische Prostitution. Zu den Auflagen, mit denen man sich herum schlagen muss, wenn man einen legalen Porno dreht gehört zum Beispiel eine Begrenzung der Arbeitszeit. Ein Drehtag darf nicht länger als 18 Stunden sein. Ich sag’s nochmal. 18 Stunden ist das Maximum, dass sich eine Frau Penisse in alle erdenklichen Körperöffnungen schieben lassen darf, damit es noch legal ist.
Bleiben die Videos, die keine lizenzierten Darsteller haben. Das können auch Amateurvideos sein, ein boomendes Genre. Jeder kann zuhause die Handykamera laufen lassen, sich selbst im Bett oder auf dem Küchentisch oder wo auch immer filmen und das Werk online stellen. Auf diese Weise kann man sein Leben zerstören. Muss nicht sein, kann aber. Und das muss man bedenken, bevor man seine persönliche Erotik-Fantasie in grauenvoller Qualität mit dem Rest der Welt teilt.
Und dann sind da noch die Videos mit Frauen, die nicht freiwillig tun, was man da sieht. Oder die Filme mit Kindern. Je mehr Pornos konsumiert werden, desto größer ist der Bedarf an Menschen, die sie liefern.

Sind Pornos also wirklich nur schlecht?

Das waren eine ganze Menge Argumente, warum man besser keine Pornos schaut. Was gibt es zusagen, dass für Pornos spricht? Ist es nicht spießig, keine Pornos zu sehen? Ich habe eine ganze Menge an Gründen aufgezeigt, die dagegen sprechen, und meiner Meinung nach wiegen sie schwerer, als der bloße Drang cool zu sein und dazu zu gehören, wenn jeder andere es auch tut. Es ist eben kein „Hobby“ oder ein Zeitvertreib. Die Gefahr, sich selbst oder anderen zu schaden ist viel zu groß.

Trotzdem bleibt der Anreiz andere Menschen beim Sex zu sehen. Nun sind wir auch alle erwachsen und haben einen gewissen Grad der Selbsteinschätzung, mit dem man sich selbst gegenüber ehrlich sein sollte, was und wie viel man konsumiert und was und wie viel es mit einem und den Menschen um einen herum macht. Aufrichtigkeit ihr Lieben!

Gerade junge Menschen sind neugierig und wollen mehr über das andere Geschlecht oder den Akt an sich mit allem drum und dran erfahren – und das aus sicherer Entfernung. Oder man hat schon so einiges ausprobiert und irgendwie hat sich das sexuelle Feuer etwas abgekühlt und frischer Wind ist angesagt. Kein Problem. Erotik ist ein breites Genre und es gibt haufenweise Filme, die diesem Zweck dienen. (Hier sei noch einmal vorsichtig an den Suchtaspekt erinnert: junge Gehirne sind noch nicht ganz so fest verdrahtet wie alte, was sich hier festsetzt wirkt möglicherweise stärker weil manche Hirnregionen noch nicht vollständig ausgeprägt sind).

Zu guter Letzt sei auch noch einmal gesagt, dass es mir hier ja explizit und NUR um Pornos ging. Der ungleich viel größere Bereich der Erotik umfängt noch so einiges anderes, was vergnüglich sein kann, was mit Pornografie – so fließend der Übergang auch sein mag – gar nichts zu tun hat.

Erotischer Film ist hier ein wichtiges Stichwort. Meist in Spielfilmlänge wird einem hier ein lächerlicher Handlungsstrang mit viel nackter Haut präsentiert, bei dem man viel sieht, nur keine Geschlechtsorgane. Geschickte Schnitttechnik macht’s möglich. Daher sind diese Filme mitunter auch nicht mehr ab 18 sondern schon legal in Teenagerzeiten zu genießen.

Für manch einen ist auch das zu viel und ich höre schon wilde Vorwürfe über den Verfall der Moral. Jedem das seine. Erotik ist ein großen Bett und man muss sich nicht in jedes Laken wickeln. Erlaubt ist, was weder einem selbst noch anderen schadet. Welches Laken das ist, muss jeder selbst entscheiden.






2 Gedanken zu „Sind Pornos schlecht für mich?“

  1. Toller Artikel.
    Welche Menschen machen das, vor allem was für Frauen. 18 Stunden? Die Männer wechseln…
    Gibt es eine Studie dazu? Wer arbeitet in dieser Branche?

    1. Liebe Lisa!

      Vielen lieben Dank für das Lob!

      Wahnsinn, oder? Ich konnte leider keine Studien oder ähnliches finden als ich recherchiert habe. Das mag auch daran liegen, dass es ein unglaublich weites Feld mit wenig Regeln ist und daher wenig Kontrolle gibt.

      Sehr interessant ist der Dokumentarfilm „Hot Girls Wanted“, dort geht es um junge Mädchen die sich für schnelles Geld in die Welt der Amateur-Pornos locken lassen. Sehenswert.

      Genau wie bei anderen Bereichen der Sexarbeit gilt es zu berücksichtigen, dass es eben kein normaler Job ist, da man sich darüber nicht mit Außenstehenden austauschen kann. So wird man immer weiter isoliert. Frauen, die ursprünglich vielleicht ganz freiwillig eingestiegen sind, werden so in einer Welt gefangen, in der sie irgendwann vielleicht nicht mehr sein wollen finden aber keinen Weg mehr hinaus.
      Außerdem geschieht vieles (gerade was man kostenlos findet) nicht freiwillig. Menschenhandel ist da das entscheidende Sprichwort.

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