Fehler, die gemacht werden müssen

Wir haben es doch alle, das Bedürfnis, dass jetzt etwas anders – und damit meinen wir besser – sein muss, als es gerade ist. Daher ziehen ja auch die Willst-du-auch-endlich-glücklich-sein?-hier-sind-drei-Dinge-die-du-dafür-wissen-musst-Blogposts so gut. Die bekommen immer die meisten Klicks. Daher schreiben so viele Leute auch ständig dieses Gewäsch.

Ich denke nicht, dass es viel bringt, auch wenn ab und an mal eine Erinnerung an die eigenen Kapazitäten natürlich nichts schadet. Aber auf die Dauer wird es doch ermüdend. Erst recht, wenn man weiß, wie die Klick-Heimserei funktioniert. Daher schreibe ich so was höchst selten, ich hoffe man nimmt es mir nicht übel.

Trotzdem beschäftigt es mich natürlich. Wie jeder andere auch wäre ich gerne ein ganzes Eck glücklicher als ich gerade bin. Und ich habe mich mein ganzes Leben lang reichlich angestrengt auf dem Weg zum Ziel die Autobahn zu nehmen und nicht irgendwo im Hinterland auf einer holperigen Schotterstraße liegen zu bleiben. Hätte ich ja wieder zurück gehen müssen. Am Ende noch den gleichen Weg – nicht aus zu denken.

Also um es kurz zu machen: Ich versuche um jeden Preis Fehler zu vermeiden. Die halten einen auf. Machen alles schlechter, bringen Leid aber einen selbst sicher nicht weiter. Und dann gibt es da dieses ganze New-Age-Geschwätz, das Fehler etwas hilfreiches wäre und man ja nur daraus lernen würde, blablabla. Halte ich gar nichts von. Wer Fehler macht, wusste doch einfach nur nicht, wie es besser geht. Warum denn nicht gleich alles richtig machen?

Das ist natürlich mit Aufwand verbunden. Da muss man sich gut vorbereiten. Viel lesen, auf das hören was andere sagen (und ob die so viel Ahnung haben, wie sie sagen, steht in den Sternen), sich überhaupt umfassend informieren. Dann bekommt man das beste Produkt, trifft die richtige Entscheidung und fährt im sicheren Fahrwasser.

Ich habe das wirklich versucht.

Ich habe das wirklich, wirklich versucht.

Es ist nicht zu machen.

Ich muss sagen, ich fürchte, es geht nicht. So sehr ich mich auch angestrengt habe, alles zu beachten, zu bedenken und zu berücksichtigen, es scheint so zu sein, dass manche Fehler einfach gemacht werden müssen. Und ich denke, der Knacks liegt ganz wo anders als einem diese aus-Fehlern-lernen-Ratgeber ans Herz legen.

Ich denke nicht, das man Fehler machen muss, um etwas besonders gut zu machen. Das Problem liegt darin, das wir gerne auf das damit verbundene Leid verzichten wollen. Als Menschlinge ist es uns ganz natürlich, dass wir alles gerne angenehm haben wollen. Keine Schmerzen, dafür Erfolg, Schönheit, Komfort. Der Mist kann schön im Hühnerstall bleiben. Wer ist schon wirklich gerne traurig, wütend oder niedergeschlagen. Das ist alles Zeugs, was weg kann.

Das Problem: Gefühle können nicht einfach weg. Versuchen wir, sie uns auszusuchen und nur noch die hübschen durch die Tür zu lassen, beschweren sich die Miesen und am Ende gibt es gar keine mehr. Man kann Emotionen nicht selektiv betäuben, die gibt es nur im Gesamtpaket oder eben gar nicht, weil man am Ende alles auf Eis gelegt hat und nichts mehr fühlt.

(Hässliche Begleiterscheinung, wenn man keine Fehler bei Entscheidungen machen möchte: Man entscheidet sich am Ende für gar nichts mehr. Dann wird Stillstand der neue Status quo und nichts geht mehr vorwärts. Wer nicht entscheidet entscheidet auch nicht falsch, meldet das Hirn und irrt sich. Denn Passivität ist auch immer eine Entscheidung, nur eben eine passive und damit manchmal auch eine beschissene.)

Eigentlich gibt es angenehme und unangenehme Erfahrungen frei Haus, das Leben hat da einen unüberschaubaren Vorrat an Begebenheiten, die es einem um die Ohren haut. Und manchen muss man sich eben selber zusammen suchen. Das ist nicht angenehm aber darum auch noch nicht schlecht.

Man kann arg unglücklich sein, wenn man in einem edlen, wohltemperierten Edelrestaurant sitzt und darauf wartet, das irgendwem wohl bitte ein halbwegs unterhaltsames Gesprächsthema einfallen möge. Und man kann erstaunlich zufrieden mit sich und der Welt sein, während einem die Füße weh tun, der Magen knurrt und die Hände kalt sind.

Damit man genau da gelandet ist, wird man vermutlich was versiebt haben, was eigentlich hätte anders laufen sollen.






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